Litauen Holocaust

 

Natürlich gehört zur litauischen Geschichte bei weitem nicht nur der Holocaust. Deshalb werden weitere Texte über die dunkle Seite der deutsch- litauischen Beziehungen in die Rubrik Litauen-Holocaust eingeordnet.

 

Die Texte sind in Arbeit ;-(

 

 

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Der Stahlecker Report

 

 Franz Walther Stahlecker Foto: Wikipedia     

 

Der Stahlecker Report: Wie der Jäger Report ist auch der Stahlecker Bericht ein Zeugnis des deutschen Vernichtungskrieges im Osten. Stahlecker berichtet über die Tätigkeit seiner Einsatzgruppe A aus dem Baltikum an seine Vorgesetzten in Berlin. Deshalb berichten wir über ihn in der Rubrik Litauische Geschichte.

Franz Walther Stahlecker war beim Einmarsch der Wehrmacht in Litauen am 22.Juni 1941 als SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei der Leiter der Einsatzgruppe A.

Die Einsatztruppen waren für die Endlösung in den zu besetzenden Gebieten im Osten bestimmt und Stahleckers 1.000 Mann Truppe war die eifrigste dieser Gruppen.

1941 hatte Reinhard Heydrich, Leiter des RSHA, eine Truppe von 3.000 willigen Männern zusammen, aus denen die Einsatzgruppen für die Endlösung, oder schöner gesagt, die Partisanen und Bandenbekämpfung in den Ostgebieten, gebildet wurde.

Die Einsatzgruppen bestanden aus vier Abteilungen.

Einsatzgruppe A unter Franz Walter Stahlecker war für die Baltischen Staaten bis Leningrad zuständig.

Einsatzgruppe B unter Arthur Nebe, dem späteren Angehörigen des "Widerstands" (Hans Bernd Gisevius: "Wo ist Nebe") wurde zwischen dem Baltikum und der Ukraine eingesetzt.

Einsatzgruppe C unter Generalmajor der Polizei Otto Rasch folgte der Heeresgruppe Süd und wütete u.a. in Babyn Jar. Er meldete bis Oktober 1941 80.000 Ermordete.

Einsatzgruppe D unter Otto Ohlendorf, Generalleutnant der Polizei, wurde in der Südukraine und der Krim eingesetzt und meldete als Erfolg 90.000 Tote.

 

Die Einsatzgruppenführer unterstanden Heydrich als Chef des RSHA. Heydrich unterstand Heinrich Himmler, als Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei.

 

Mit welchem Auftrag die Einsatzgruppen, die teils zusammen mit der Wehrmacht die grösseren Städte im Osten besetzten, eingesetzt wurden, mag diese Rede Heinrich Himmlers vom 13. Juli 1941 in Stettin vor 25 Führern der Waffen-SS illustrieren:

"Man stünde, so führte er hier aus, in einem Kampf gegen ein »180-Millionen Volk, ein Gemisch aus Rassen, und Völkern, deren Namen schon unaussprechlich sind, und deren Gestalt so ist, dass man sie bloß ohne Gnade und Barmherzigkeit zusammenschießen kann«, »Tiere« eben. »Dieses Volk ist von Juden in einer Religion, in einer Weltanschauung zusammengefasst, die Bolschewismus genannt wird [... ] .«

Peter Longerich "Heinrich Himmler" S. 545

 

Die Einsatzgruppe A unter Stahlecker tötete bis zum Winter 1941 249.420 Juden. Die Morde der Einsatzgruppen waren der Beginn des Holocaust. Anfangs wurden in Litauen Männer ("Bolschewisten") ermordet. Aber schon kurze Zeit später folgten Frauen und dann Kinder.

Berühmt und berüchtigt ist der sogenannte Stahlecker Report, in dem Stahlecker seinem Vorgesetzten Heydrich die Fortschritte in den besetzten Gebieten beschreibt. Die Dokumente sind den vorrückenden Sowjets in die Arme gefallen, liegen in einem russischenArchiv und wurden von verschiedenen Quellen (siehe Blatt 4, Verzeichnis der Benutzer) wie der Bild Zeitung und dem USHM (US- Holocaust Museum) benutzt. Sie sind deshalb besonders, weil sie ein Licht auf die Hintergründe des Deutschen Rassenwahns in den besetzten Ostgebieten werfen.

 

Es gibt den Stahlecker Report einmal auf der Seite von DefendingHistory als Bilddatei und bei Yad Vashem auch als Bilddatei, wobei man aber händisch immer die Bildernummer eingeben muss. Ich habe die Bilder von DefendingHistory des ersten Stahlecker Reports (der die Zeit vom 22.Juni 1941 bis 15. Oktober 1941 beinhaltet) als PDF umgewandelt. So kann man die Datei schneller laden und einfacher lesen. Die Originalquellen sind unten angegeben. 

 

Neben dem hier behandelten Stahlecker Report, bietet der sogenannte Jäger Report einen schaurigen Blick auf die Arbeit der Deutschen Kommandos hinter der Front. SS-Standartenführer Karl Jäger war unter Franz Walther Stahlecker Leiter des Sonderkommandos 3 und rühmte sich im ebenfalls berühmten "Jäger Report" :

"Auf meine Anordnung und meinen Befehl durch die lit. Partisanen durchgeführten Exekutionen...137.346 !"

 

Hier ein paar Zitate aus dem ersten Stahlecker Report:

S.2 " ..., dass die Zusammenarbeit mit der Wehrmacht im allgemeinen gut, in Einzelfällen, wie z.B. mit der Panzergruppe 4 unter Generaloberst Höppner, sehr eng, ja fast herzlich war."

Das sollte man sich öfters durchlesen, angesichts der dauernden deutschen Parolen, dass die Wehrmacht ja eigentlich die Netten waren.

S.4 "Zur Durchführung der sicherheitspolizeilichen Aufgaben musste auch angestrebt werden, in grösseren Städten zusammen mit der Truppe einzuziehen. Die ersten Erfahrungen in dieser Richtung wurden gesammelt, als ein kleines Vorauskommando unter meiner Führung mit den Spitzenverbänden der Wehrmacht am 25.6.1941 in Kowno eintraf."

Was auch die Pogrome gegen Juden in Kaunas erklärt, bei denen 10.000 Juden von Litauern ermordet wurden. Siehe Lietukis Massaker

S5.: "...Zu diesem Zweck wurden in den drei baltischen Provinzen von der Sicherheitspolizei jeweils schon in den ersten Stunden des Einmarsches Freiwilligenformationen aus zuverlässigen Landeseinwohnern aufgestellt, die unter unserer Führung diese Aufgabe (die Städte u.A. vor kommunistischen Funktionären sichern) mit Erfolg durchgeführt hat."

Diese Freiwilligen waren in Litauen die Mitglieder der LAF, die schon vor dem deutschen Angriff in Hitlers Pläne eingeweiht waren. Auch Partisanen genannt.

 S5.: "Ebenso wurden schon in den ersten Stunden nach dem Einmarsch, wenn auch unter erheblichen Schwierigkeiten, einheimische antikommunistische Kräfte zu Progromen (sic) gegen die Juden veranlasst. Befehlsgemäss war die Sicherheitspolizei entschlossen, die Judenfrage mit allen Mitteln und aller Entschiedenheit zu lösen."

"Es musste nach aussen gezeigt werden, dass die einheimische Bevölkerung selbst als natürliche Reaktion gegen jahrzehntelange Unterdrückung durch die Juden und gegen den Terror durch die Kommunisten in der vorangegangenen Zeit die ersten Massnahmen von sich aus getroffen hat."

 S14.:  "Angesichts der Ausdehnung des Einsatzraumes und der Fülle der sicherheitspolizeilichen Aufgaben wurde von vornherein angestrebt, dass die zuverlässige Bevölkerung selbst bei der Bekämpfung der Schädlinge in ihrem Lande - also insbesondere der Juden und Kommunisten - mitwirkt."

"In Litauen haben sich bei Beginn des Ostfeldzuges aktivistische nationale Kräfte zu sogenannten Partisaneneinheiten zusammengefunden, um in den Kampf gegen den Bolschewismus aktiv einzugreifen."

S.15: "Während ein militärischer Einsatz der Partisanen aus politischen Gründen nicht in Betracht kam, wurde in kurzer Zeit aus den zuverlässigen Elementen der undisziplinierten Partisanengruppen ein einsatzfähiger Hilfstrupp in Stärke von zunächst 300 Mann gebildet, dessen Führung dem litauischen Journalisten Klimaitis übertragen wurde. Diese Gruppe ist im weiteren Verlauf der Befriedungsarbeiten nicht nur in Kauen selbst, sondern in zahlreichen Orten Litauens eingesetzt worden und hat die ihr zugewiesenen Aufgaben, insbesondere Vorbereitung und Mitwirkung bei der Durchführung grösserer Liquidierungsaktionen unter ständiger Aufsicht des EK ohne wesentliche Anstände gelöst."

" Bei der Personalergänzung innerhalb der litauischen Hilfspolizeien wird hauptsächlich auf die Partisanengruppen zurückgegriffen. Solange noch Exekutionen und Befriedungsaktionen grösseren Umfangs durchgeführt werden müssen, bleibt neben der lituischen Sicherheits- und Kriminalpolizei der obengenannte Partisanentrupp bestehen und wird voraussichtlich später in einem anderen Teil des Einsatzraumes ausserhalb Litauens eingesetzt."

 

S. 21: "Auslösung von Selbstreinigungsaktionen,

Auf Grund der Erwägung, dass die Bevölkerung der baltischen Länder während der Zeit ihrer Eingliederung in die UdSSR unter der Herrschaft des Bolschewismus und des Judentums aufs Schwerste gelitten hatte, war anzunehmen, dass sie nach der Befreiung von dieser Fremdherrschaft die nach dem Rückzug der Roten Armee im Lande verbliebenen Gegner in weitgehendem Masse selbst unschädlich machen würde. Aufgabe der Sicherheitspolizei musste es sein-, die Selbstreinigungsbestrebungen in Gang zu setzen und in die richtigen Bahnen zu lenken, um das gesteckte Säuberungsziel so schnell wie möglich zu erreichen. Nicht minder wesentlich war es, für die spätere Zeit die feststehende und beweisbare Tatsache zu schaffen, dass die befreite Bevölkerung aus sich selbst heraus zu den härtesten Massnahmen gegen den bolschewistischen und jüdischen Gegner gegriffen hat, ohne dass eine Anweisung deutscher Stellen erkennbar ist.

In Litauen gelang dies zum ersten Mal in Kauen durch den Einsatz der Partisanen.

Es war überraschenderweise zunächst nicht einfach, dort ein Judenprogrom grösseren Ausmasses in Gang zu setzen. Dem Führer der oben bereits erwähnten Partisanengruppe, Klimaitis, der hierbei in erster Linie herangezogen wurde, gelang es, auf Grund der ihm von dem in Kauen eingesetzten kleinen Vorkommando gegebenen Hinweise ein Progrom einzuleiten, ohne dass nach aussen irgendein deutscher Auftrag oder eine deutsche Anregung erkennbar wurde. Im Verlauf des ersten Progroms in der Nacht vom 25. zum 26.6. wurden über 1.500 Juden von den litauischen Partisanen beseitigt..."

S. 22: "Durch Unterrichtung der Wehrmachtsstellen, bei denen für dieses Vergehen durchweg Verständnis vorhanden war, liefen die Selbstreinigungsaktionen reibungslos ab."

Interessant im Zusammenhang zu den Lietukis Massakern:

S. 23: "Soweit möglich, wurde sowohl in Kauen als auch in Riga durch Film und Photo festgehalten, dass die ersten spontanen Exekutionen der Juden und Kommunisten von Litauern und Letten durchgeführt wurden."

S. 24: Mit der Sowjetarmee waren die Sowjetbeamten und die Sowjetfunktionäre der K.P. geflohen. Die Bevölkerung der baltischen Länder hat auf Grund der Erfahrungen der mehr als einjährigen bolschewistischen Zwangsherrschaft die Notwendigkeit erkannt, dass auch die nach dem Rückzug der Roten Armee übriggebliebenen Reste des Kommunismus beseitigt werden müssen. Diese Grundeinstellung erleichterte die sicherheitspolizeiliche Säuberungsarbeit auf diesem Gebiet wesentlich, zumal aktive nationalistische Kreise, also in Litauen die Partisanen, in Lettland und Estland die Selbstschutzkräfte, bei dieser Säuberung mitzuwirken."

S. 27: Nach Durchführung dieser vordringlichsten Aufgaben in den Städten wurde durch kleine Teilkommandos auch die Säuberung auf dem Lande in Angriff genommen. Hierbei leisteten wiederum die Selbstschutzkräfte wertvolle Mitarbeit."

 S. 32: "Es war von vornherein zu erwarten, dass allein durch Progrome das Judenproblem im Ostlande nicht gelöst werden würde. Andererseits hatte die sicherheitspolizeiliche Säuberungsarbeit gemäss den grundsätzlichen Befehlen eine möglichst umfassende Beseitigung der Juden zum Ziel. Es wurden daher durch Sonderkommandos, denen ausgesuchte Kräfte - in Litauen Partisanentrupps, in Lettland Trupps der lettischen Hilfspolizei - beigegeben wurden, umfangreiche Exekutionen in den Städten und auf dem flachen Lande durchgeführt. Der Einsatz der Exekutionskommandos war reibungslos. Bei der Zuteilung von litauischen und lettischen Kräften zu den Exekutionskommandos wurden insbesondere solche Männer ausgewählt, deren Familienmitglieder und Angehörige von den Russen ermordet oder verschleppt worden waren.  

Zu besonders scharfen und umfassenden Massnahmen musste in Litauen gegriffen werden. Die Juden hatten sich stellenweise - insbesondere in Kauen — bewaffnet, beteiligten sich aktiv am Heckenschützenkrieg und legten Brände an. Im übrigen haben die Juden in Litauen in besonders aktiver Weise mit den Sowjets Hand in Hand gearbeitet.

Die Gesamtzahl der in Litauen liquidierten Juden beläuft sich auf 71.1o5."

Exekutionen von Juden durch Einsatzgruppe A Exekutionen von Juden durch die Einsatzgruppe A

Diese Karte stammt aus dem Stahlecker Report

 

Kurz zur Erklärung: Vilnius gehörte vor der Besetzung durch die Sowjetunion zu Polen. So kommen die Zahlen zustande: in Litauen (ohne Vilnius) lebten ca. 152.000 Juden, im Kreis Vilnius 80.000 (Jerusalem des Ostens). Dazu kommen die Ermordeten in Weissrussland und Lettland.

 

S. 32: "Erwähnt sei in diesem Zusammenhang noch der stellenweise erhebliche Widerstand der Dienststellen und Zivilverwaltung gegen die Durchführung von Exekutionen grösseren Umfanges, denen überall mit dem Hinweisdarauf, dass es sich um die Durchführung grundsätzlicher Befehle handelte, entgegengetreten wurde."

S. 37: Verschiedene Irrenanstalten wurden von den Einsatzgruppen "gesäubert", das heisst von den Patienten befreit. Dazu ist interessant:

"In einigen Fällen baten Wehrmachtsdienststellen, auch andere Anstalten, die für Quartierszwecke benötigt wurden, in der gleichen Weise zu säubern. ..., wurde den Wehrmachtsstellen anheimgestellt, mit eigenen Kräften die für notwendig erachteten Massnahmen zu treffen."

Für das Rainiai Massaker ist vielleicht interessant:

"Die Einsatzkommandos veranlassten in grossem Umfange die Nachforschung nach Verschleppten, ferner die Exhumierung und Identifizierung von den Bolschewisten ermordeter Personen. Aus propagandistischen Gründen wurden hierbei die Propagandastaffeln der Wehrmacht und stellenweise auch die ausländische Presse beteiligt."

S. 50: "Die Kunst war ebenso wie das übrige kulturelle Leben vorherrschend jüdisch eingestellt, insbesondere in Lettland und Litauen."

S. 63. " Da der Bevölkerung in keiner Weise Aufklärung über ihr zukünftiges Schicksal erteilt worden ist, bewegt sich der national denkende Teil durchaus noch in der Vorstellung einer kommenden litauischen Eigenstaatlichkeit mit einer gewissen Abhängigkeit vom Grossdeutschen Reich."

S.64: " Der seit der Besetzung Litauens durch deutsche Truppen schnell aufgeflammte tätige Antisemitismus hat nicht nachgelassen. Zu allen Massnahmen gegen Juden stellen sich Litauer gern und unermüdlich zur Verfügung, z.Tl. führen sie heute noch eigenmächtig solche Massnahmen durch."

S. 66: " Ueber 80 % der Zahnärzte waren Juden., über 50 % der anderen Aerzte ebenfalls."

 

 Stahlecker Report als PDF

 

Die Originalfotos des Stahlecker Reports stammen von der Seite DefendingHistory:
http://defendinghistory.com/the-two-full-stahlecker-reports-holocaust-atrocities-in-the-baltic/70670

Die Scans gibt es auch von Yad Vashem. Allerdings muss man wohl immer die Nummer der Datei ändern um ein anderes Dokument zu bekommen:
http://207.232.26.150/documentation1/2/3685477_03052442/00002.JPG                  

Wer einen anderen Weg findet, bitte melden.

Auf der Webseite des USHMM gibt es nur wenige Fotos vom Report.

 

 

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Letter of german soldier Sandt

 

English translation of Heinrich Sandt's letter to his wife Elisabeth from 29.6.1941. He writes about what he saw at the "Lietukis Garage" in Kaunas (Vytautas Prospect Massacre).

Translation made by Christine Bombeck. (Thanks a lot!)

 

My dear Elizabeth,

we are still situated in Kowno with the complete division baggage train. How far the companies have come yet, I don't know. Anyhow, for K. the war is over. She has become a stage town overnight. By the way, today is thought to be Sunday. I do not know. I just know that it is currently raining. Therefore I've retired into the driver's seat of my car. The blotting pad is lying on the wheel, so everything is ok.

As farer you get eastwards, the dirtier and more disgusting -by our standards- the cities become. K. indeed has certain beautiful and wide streets with modern boulevards. But it all looks so modern, very  built overnight. The advanced objectiveness of the time of World War and the following periods characterizes the city center. But once you turn off the boulevard into the side alleys: small, partially unpaved, derelict wooden houses, smelly from dirt. You really have to hold your nose. This smell neither disappears in the big streets. Instead K. is draped in a cloud of smog that smells of all lifestyle habits and filthiness of the East. How deeply and freely you breathe while reaching the city boundary!

My first action in K. was to get some beer. Fortunately I was one of the first. The run was so large, because all units wanted to drink beer, that finally the Field Gendarmerie had to intervene imposing order. The brewery expended beer and the grunts made ample use of it.  Somewhen the women who worked in the factory arrived. They have been very outgoing and soon pictures have been   developed  that just could not be tolerated anymore. Yes, this is war. Only good that during army the iron broom is still prevailing, it just doesn't work without it. In the afternoon I drove into Kowno again. The setting became more lively. The Lithuanian self protection and White Russians speeded on trucks through the city and hunted the Jews down. In front of a cemetery, which layed on the one side of the street and a garage on the other side, a big crowd of people was gathered. Already from far one could see the excitement with which the crowd participated in the incidents that happened on the wide square before the garage.

While bending my steps toward this square, I heard a crying and groaning, a laughter and hooting, swearing and screaming. Then I saw iron bars, gunstocks, wooden cudgels and other items speeding downwards, as if someone was striking on something with anger and ire. And right: the Jews have been herded up and battered here. It was a scene that could not be exceeded in scariness and gruesomeness. Therefore I refuse to go into great detail. This evening the … people celebrated a public festival on top of the corpses of the Jews battered to death. An accordion played and the mob danced on top of the corpses jeering and whooping. The women have been the worst. Even heavily pregnant women delighted in this dance of the dead. Meanwhile the Field Gendarmerie has intervened. From that moment on the Jews have been treated more humanly, i.e. they have still been herded together in hundreds with weapons and then shot. But before they have to dig their own's grave. Only the Slav can be that cruel.

Naturally the Lithuanians are favorably disposed towards us as we have disabused them of the terror of the Reds. But they neither have anything to eat. Everything is rationalized resp. formalized.
The head functionaries who brought all this misery have fled early. But they will also be seized.
The large encircled areas that we've built are death areas for all those that are inside. You cannot imagine with which weapons such encirceled areas are surrounded. Guns in vast numbers and then always in with uncle Otto. Prisoners are not made, so cruel the war is here. -

In a moment the first breaking news will come. I want to listen to them. - The successes are enormous aren't they? Do you also have heard the S.-message about the tank battle north of Kowno?

A few days ago I had a nice dream! On the march I came near to Weddewarden. I asked the Lt. for holidays to visit you. This holiday have just been wonderful. We sat together in the  parlor and told each other and were pleased to have us back again. The night has also been indescribably pleasant. When I woke up I unfortunately didn't  lie right beside you but in a Lithuanian barn and had only dreamt successfully. I had to switch right after waking up because reality hasn't been reality.

 

With best regards for you

the children and everyone        yours, Heinrich

 

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Feldpostbrief vom 29.6.1941

 

English translation

 

Im Jahre 2016 tauchte ein Feldpostbrief von einem Soldaten einer Versorgungseinheit der 10. Kompanie des Infanterie-Regiments 89 (später Grenadier Regiment 89) auf.

Der Soldat Heinrich Sandt, geboren am 30.7.1908, schreibt in diesem Brief an seine Frau Elisabeth über die Geschehnisse in Kowno (Kaunas) im Juni 1941. Bekanntlich wütete ein Teil der litauischen Volksseele gegen ihre mutmaßlichen Peiniger: Kommunisten und Juden. Sandt erreichte als Mitglied des Gepäcktrosses des 89. Infanterie-Regiments die ehemalige litauische Hauptstadt. Das 89. IR scheint am 25. Juni 1941 die Memel überquert zu haben und blieb 10 km östlich von Kaunas stehen. Am nächsten Tag ging es weiter nach Osten (die kämpfenden Einheiten). Sandt schrieb an seine Frau am 29.Juni 1941, der Brief wurde auch an diesem Tag abgestempelt.

 

Die ca. 500 Briefe von Heinrich Sandt wurden von seinem Sohn aufbewahrt und das heute schwer lesbare Altdeutsch mit dem Computer abgetippt. Kurz vor seinem Tod übergab der Sohn die gesamten Familienunterlagen an seinen Bekannten Chris Steinbrecher aus Bremen. Der Kunsthistoriker (der sich für das Projekt 3.000 Schicksale Theresienstadt/Riga engagiert) digitalisierte den kompletten Nachlass. Ich habe ihn besucht und die gesamten Briefe gesehen. Bis ein Gutachter die Briefe untersucht hat, müssen die geschilderten Geschehnisse natürlich mit Vorsicht betrachtet werden. Für mich sahen die Briefe allerdings echt aus. Auch die geschilderten Familienstrukturen stimmen. Dass Frauen bei den Garagenmorden anwesend waren, kann man auf den vorhandenen Bildern auch eindeutig sehen.

Mittlerweile ist der Brief unterwegs nach Yad Vashem, der bedeutendsten Gedenkstätte über den Holocaust. Wieder ist durch Zufall ein Teil unserer Geschichte klarer geworden.

 

 Feldpostbrief Kowno Pogrome 1941

Feldpostbrief Heinrich Sandt 29.6.1941

 

O.U. den 29.VI. 41
Meine liebe Elisabeth!

Noch liegen wir mit dem gesamten Divisionsgepäcktroß in Kowno. Wie weit die Kompanien wo sind, weiß ich nicht. Für K. ist der Krieg jedenfalls vorbei. Sie ist über Nacht eine Etappenstadt geworden. Übrigens, heute soll Sonntag sein. Ich weiß es nicht. Nur soviel weiß ich, daß es augenblicklich regnet! Daher habe ich mich in den Fahrersitz des Wagens zurückgezogen. Die Schreibunterlage liegt auf dem Steuerrad und so geht es einiger maßen. -

Je weiter man nach dem Osten kommt, desto dreckiger und für unsere Begriffe abstoßend, werden die Städte. K. [AK: Kaunas] hat zwar einige schöne und breite Straßen mit modernen Prachtbauten. Aber es sieht alles so modern, so aus dem Boden gestampft, aus. Die moderne Sachlichkeit der Weltkriegszeit und der folgenden Jahre gibt dem Mittelpunkt der Stadt das Gepräge. Aber wehe, wenn Du von diesen Prachtstraßen abbiegst in die Nebengassen. Klein, z.T. ungepflastert, baufällige Holzhäuser von Schmutz stinkend. Man muß sich wirklich die Nase zuhalten. Dieser Schmutzgeruch verliert sich auch nicht in den großen Straßen. Dafür ist ganz K. in eine Dunstwolke gehüllt, die nach sämtlichen Lebensgewohnheiten und Unsauberkeiten des Ostens riecht. Wie man tief und erlöst beim Erreichen der Stadtgrenze aufatmet!

Meine erste Tätigkeit in K. war, Bier besorgen. Glücklicherweise war ich einer der ersten. Der Andrang wurde so stark, denn sämtliche Einheiten wollten Bier trinken, daß schließlich die Feldgendarmerie eingreifen mußte, um Ordnung zu schaffen. Die Brauerei gab für die Käufer Bier ohne Entgelt, dort zu trinken, aus, und die Landser machten dann reichlich Gebrauch. Dazu kamen die Weiber, die in der Fabrik arbeiteten. Sie waren sehr zugänglich und bald boten sich Bilder, die einfach nicht mehr geduldet werden konnten. Ja, das ist der Krieg. Nur gut, beim Kommiss herrscht immer noch der eiserne Besen, ohne den es einfach nicht geht. Am Nachmittag fuhr ich wieder nach Kowno hinein. Das Bild wurde belebter. Der litauische Selbstschutz und die Weißrussen jagten auf Lastwagen durch die Stadt und machten Jagd auf die Juden. Vor einem Friedhof, der auf der einen Seite der Straße lag und einer Garage auf der anderen Seite, war eine große Menschenmasse versammelt. Von weitem schon sah man die Erregung, mit der sie an den Geschehnissen teilnahm, die sich auf dem weiten Platz vor der Garage abspielten.

Während ich meine Schritte diesem Platz zu lenkte, hörte ich schon von weitem ein Geschrei und Gestöhne, ein Lachen und Johlen, ein Fluchen und Kreischen. Da sah ich, wie Eisenstangen, Gewehrkolben, lange Holzknüppel u. andere Gegenstände mit Macht nach unten sausten, so als man mit Wut und Ingrimm auf irgend etwas nieder schlug. Und richtig. Die Juden waren hier zusammen getrieben und wurden einfach niedergeschlagen. Es war ein Bild, das in seiner Schauderhaftigkeit und Grausamkeit nicht übertroffen werden konnte.

 

Kaunas Pogrome Vytautas Prospect 1941

Daher will ich Dir keine Einzelheiten hierüber schreiben. Des Abends feierte die ... [AK: unleserlich] Volksseele ein Volksfest auf den Leichen der erschlagenen Juden. Ein Akkordeon spielte und johlend und schreiend tanzte der Mob auf den Leichen umher. Die Frauen waren die Schlimmsten. Sogar hochschwangere Frauen ergötzten sich leidenschaftlich an diesem Totentanz. Jetzt hat die Feldgendarmerie eingegriffen. Die Juden wurden hinfort humaner behandelt, d.h. sie wurden nach wie vor in Waffen zu Hunderten zusammengetrieben und dann erschossen; vorher aber müssen sie ihr Grab geschaufelt haben. So grausam kann eben nur der Slawe sein.

Uns sind die Litauer natürlich sehr gewogen, haben wir sie doch von dem Terror der Roten befreit. Aber zu beißen haben sie auch nichts. Es ist alles rationalisiert bzw. formalisiert. Die Hauptfunktionäre, die all dieses Elend gebracht haben, sind vorzeitig geflüchtet. Gefaßt werden sie aber doch. Die großen Kessel, die wir gebildet haben, sind Todeskessel für alle die da drin sind. Du kannst Dir keine Vorstellung machen mit welchen Waffen solche Kessel umstellt sind. Geschütze in unüberschaubarer Zahl und dann immer hinein Onkel Otto. Gefangene werden nicht gemacht, so grausam ist hier der Krieg. –

Gleich kommen die ersten Sondermeldungen. Die will ich mir eben anhören. –  Die Erfolge sind gewaltig nicht wahr? Hast Du auch die S.- Meldung über die Panzerschlacht nördlich Kowno gehört?

Vor einigen Tagen ...

Herzlichen Gruß an Dich die Kinder u. alle
von Deinem Heinrich.

 

Kowno Massaker Feldpost 1941

Einer der ca. 500 Briefe von Heinrich Sandt

 

Heinrich Sandt SA 1933

Heinrich Sandt bei der Ausbildung in der SA Frühjahr 1933 (4. von rechts).

 

Die recht entspannte Art, wie der Soldat Sandt die Morde schildert ("Die Juden wurden hinfort humaner behandelt, d.h. sie wurden nach wie vor in Waffen zu Hunderten zusammengetrieben und dann erschossen ...) lässt sich vielleicht aus seiner Geschichte erklären. Er wurde am 15.4.1933 Mitglied der NSDAP und der SA. Sandt arbeitete als Lehrer für Deutsch und Geschichte. Er leistete seinen Wehrdienst 1939 ab, nahm am Polenfeldzug teil und war anschließend in Frankreich eingesetzt.

 

Heinrich Sandt hat sich auch für den Dienst bei der Feldpolizei und der Gestapo beworben, darüber gibt es aber keine weiteren Informationen. Er scheint versucht zu haben, sich durch Beziehungen vor dem Dienst in der kämpfenden Truppe zu drücken und landete bei dem Gepäcktross der 10. Kompanie des 89. IR. Deren Bierdurst haben wir diese Zeugenaussage über das Lietukis-Massaker zu verdanken.

 

Feldpostbriefe Litauen

Sandt schrieb etwa 500 Briefe an seine Frau Elisabeth.

 

 

Was ist das Besondere am Feldpostbrief des Heinrich Sandt?

Der bisher unbekannte Brief bestätigt einige kontrovers diskutierte Handlungen beim Lietukis-Pogrom. Schon der Fotograf Gunsilius (siehe Zeugenaussagen) sprach in seiner Aussage:

"Nachdem alle erschlagen waren, legte der Junge die Brechstange beiseite, holte sich eine Ziehharmonika, stellte sich auf den Berg der Leichen und spielte die litauische Nationalhymne. Die Melodie war mir bekannt, und ich wurde von Umstehenden belehrt, daß es sich um die Nationalhymne handle. Das Verhalten der anwesenden Zivilpersonen (Frauen und Kinder) war unwahrscheinlich, denn nach jedem Erschlagenen fingen sie an zu klatschen, und bei Beginn des Spiels der Nationalhymne wurde gesungen und geklatscht. Es standen Frauen in der vordersten Reihe mit Kleinkindern auf den Armen, die den ganzen Vorgängen bis zum Ende beigewohnt haben."

 

Sandt bestätigt also das Verhalten der anwesenden Frauen, sowie das Spielen des Akkordeons.

 

[Diese Schilderung gibt es auch bei Mejer Yelin in seinem Buch Festung des Todes wo ein Weissarmbändler mit einem Akkordeon auf den Leichen Musik spielt.]  To be confirmed...

 

Interessant ist auch die Aussage, dass die Litauer und Weißrussen mit LKW Jagd auf Juden machten. Tatsächlich scheint sich der "litauische Selbstschutz" am Vytautas Prospekt immer neue Opfer gesucht zu haben. Dass Weißrussen an den Aktionen beteiligt waren, ist mir aber neu.

 

Es ist überflüssig darauf hinzuweisen: Natürlich wusste die Wehrmacht (hier stellvertretend Soldat Sandt) von den Verbrechen, die mit ihr oder hinter ihr verübt wurden.

 

 

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