Holodomor


Holodomor ist ein ukrainisches Wort und bedeutet: Massensterben durch Hunger.
Es beschreibt die durch Stalins Aushungerungspolitik gegen die ukrainische Landbevölkerung 1932/33 entstandene humanitäre Katastrophe, als es keinerlei Essen mehr gab, das Saatgut aufgegessen, alle wilden Tiere verschwunden und die Ernte von Obst und Gemüse noch in weiter Ferne lag.
Einigermaßen exakte Schätzungen darüber, wie viele Opfer der Holodomor forderte, sind schwierig. Offizielle sowjetische Statistiken aus der Zeit sind meistens gefälscht oder wurden überhaupt erfunden, um ihre ideologische Rolle zu erfüllen, und Bevölkerungsstatistiken aus der Ukraine waren nur selten akkurat und zeitnah.

Verhungerte 1933 in Charkiw Ukraine

Verhungerte Bauern in Charkiw 1933 (Wikipedia)

 

Schätzungen über die Opfer der Stalinistischen Politik in der Ukraine belaufen sich auf 2,5 bis 5,0 Millionen Tote.

 

In der gesamten Sowjetunion kam es zu 7 bis 8 Millionen Tote durch die Hungerkatastrophe 1932/33.

Die Länder Westeuropas und ihre staatlichen Vertreter hatten ihre eigenen Gründe, die Informationen, die sie über den Massenmord in der Ukraine bekamen, zu verschweigen. Einer der wenigen energischen Proteste im Namen der Menschlichkeit kam vom österreichischen Kardinal Theodor Innitzer, der dazu aufrief, der Ukraine mit Nahrungsmittellieferungen zu helfen, und auf einzelne Fälle von Kannibalismus hinwies. Daraufhin wurde er von sowjetischen Funktionären mit Spott überzogen:"Bei uns gibt es weder Kannibalen noch Kardinäle", verkündeten sie.

Viele linksgerichtete Intellektuelle wünschten sich den Triumph des sowjetischen Experiments und hielten alle Nachrichten, die auf die Errichtung einer grausamen Diktatur schliessen ließen, für kapitalistische Propaganda.
Im rechten Lager ging man auch gerne repressiv gegen Arbeiter vor und konnte kaum etwas gegen die sowjetische Unterdrückungspolitik sagen.

So fiel ein jahrzehntelanger Schleier über eines der grössten Verbrechen des 20. Jahrhundert.


Aus:

"Die zerrissenen Jahre 1918-1938" Hanser Verlag

 

 

Russlands grösstes gesellschaftliches Problem ist die mangelnde Aufarbeitung seiner eigenen Geschichte. Statt die Fehler der Zarenzeit und der darauf folgenden Bolschewisten zu untersuchen, flüchten sich die Russen in Großmannssucht und Heroismus. Stalin ist wieder in und Putin kann den starken Mann spielen. Dass wieder die gleichen Fehler gemacht werden, sieht in Russland nur eine verfolgte Minderheit.

Zur geschichtlichen Aufarbeitung gehört auch zu klären, warum Russen überall auf der Welt in Ländern leben, die noch nie freiwillig zu Russland (oder der Sowjetunion) gehört haben. Estland, Lettland, Litauen und die Ukraine sind uns da am nächsten.
In Folge des russischen Imperialismus wurden viele Länder annektiert und der Zuzug von ethnischen Russen gefördert.
Heute diese Minderheiten gewaltsam zu unterstützen, wie aktuell in der Ukraine (und im Baltikum angedroht) bedeutet eine Kontinuität dieses Imperialismus.

Aber I:
Putin ist mit seiner Haltung nicht alleine. Er hat in Russland viel Zuspruch und auch bei uns in Deutschland finden nicht wenige (siehe die Pegida Demos) seine Politik gut.

Schuld an der Ukraine Krise sind nicht die Russen, sondern die Amis, hört man überall.


Aber II:
Die geschichtliche Aufarbeitung eines Landes ist schwierig. In der Bundesrepublik wollte auch keiner über unsere Verbrechen sprechen.
In der Türkei ist die Bezeichnung der türkischen Verbrechen an den christlichen Armeniern als Völkermord nach wie vor strafbar.
Die Litauer tun sich sehr schwer mit ihrer Rolle 1940 bis 1945. Lieber sprechen sie über ihren heroischen Kampf aus den Wäldern gegen die Sowjetischen Besatzer.

 

Ukraine Holodomor Völkermord

 Zeitung von 1934

 

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