LAF und der litauische Holocaust

Die LAF- Lietuvos Aktyvistu Frontas (Litauische Aktivisten Front) war eine litauische Partisanengruppe die 1940 bis 1941 in Litauen aktiv war.

 

Sie nannten sich "Partisanen - Befreier Litauens". Durch ihre weißen Armbinden wurden sie von der Bevölkerung auch "Weißarmbändler" genannt.

Das einheimische Personal für die deutschen Einsatzkommandos bestand meist aus "Partisanen"

 

 

Gegründet am 17. November 1940 in Berlin durch Kazys Škirpa (ehemaliger litauischer Militärattache in Deutschland) und anderen litauischen Emigranten, war ihr Ziel die Befreiung Litauens von der russischen Besatzung und die Wiederherstellung der Unabhängigkeit. Mitbegründer und rechte Hand von Kazys Škirpa war Bronys Raila.

Raila schrieb auf Wunsch von Škirpa die Propagandabroschüre "Wofür die Aktivisten kämpfen". In ihr propagiert Raila heftigen Antisemitismus. Die Litauische Aktivisten Front schafft das neue Litauen indem es das Land sofort und gründlich von Juden, Parasiten und Monstern reinigt. Juden seien aktiv an der Zerstörung des litauischen Staates beteiligt gewesen. Die kommunistische Ideologie liege in der Natur der Juden . "Wir werden Litauen für Jahrhunderte vom jüdischen Joch befreien." Die in alten Zeiten von Vytautas den Juden gegebene Recht auf Obdach wird völlig und dauerhaft aufgehoben. Es wird vorgeschlagen, dass die Juden sofort das Land Litauen verlassen. Das bewegliche Eigentum der Juden soll an den Staat Litauen fallen.

 

Die extremste Fraktion der LAF waren die Anhänger des charismatischen, germanophilen Smetona Gegners Augustinas Voldemaras. Eine Woche vor Ausbruch des Krieges gründeten 32 Voldemaras Anhänger (die meisten junge Offiziere) die "Litauische Nationalsozialistische Eiserne Wolf Front". Diese Wölfe verkündeten, dass die junge litauische Generation die neuen rassistischen Ideale des Faschismus und Nationalsozialismus ehren werden. Wie Saulius Suziedelis schreibt, hatten diese selbsternannten Nazis nur einen begrenzten politischen Einfluss, aber sie spielten ihre Rolle als Fußvolk beim kommenden Holocaust.  (Suziedelis "Lithuanian Collaboration")

 

Ein weiteres wichtiges Dokument über das LAF Programm sind die "Anweisungen zur Befreiung Litauens" (Lietuvai islaisvinti nurodymai) vom 24. März 1941. Das Ziel war – bei einem Krieg Deutschlands mit der Sowjetunion – die Kontrolle  über die litauische Regierung zu übernehmen, mit oder ohne Zustimmung Berlins. Das würde Litauens Unabhängigkeit wiederherstellen, basierend auf einer neuen Basis: Einheit, Nationalismus und moralischer Stärke. Dazu war Antikommunismus und Anti-Jüdische Aktionen nötig.

"It is very important on this occasion to shake off the Jews. For this reason it is necessary to create within the country such a stifling atmosphere against the jews that not a single Jew would dare to even allow himself the thought that he would have even minimal rights or, in general, any possibility to earn a living in the new Lithuania. The goal is to force all the Jews to flee Lithuania together with the Red Russians. The more of them who leave Lithuania at this time, the easier it will be to finally get rid of the Jews later." (Suziedelis Lithuanian Collaboration)

 

Die moralische Stärke würde auf dem Christentum beruhen.

Ebenfalls im März rief das Propagandabüro der LAF in Berlin das litauische Volk auf, sich bei Kriegsbeginn gegen die Sowjets zu erheben und alle örtlichen Kommunisten und andere Verräter an Litauen zu verhaften, damit niemand seiner gerechten Strafe entkommen könne. Verrätern würde nur vergeben, wenn sie mindestens einen Juden liquidierten. "Laisvoji Lietuva" Suziedelis

Bald bildeten sich lokale LAF Gruppen in den litauischen Städten.

 

Durch den Aufenthalt im "Reich" nahm die Škirpa Gruppe immer mehr von der nationalsozialistischen Ideologie auf. Saulius Suziedelis hält es aber auch für möglich, dass sich die LAF in Berlin eher den litauischen Verhältnissen angepasst hat (Hass auf Kommunisten und Juden).

  

Am 22. April 1941 stellte die LAF in Kaunas eine Kabinettsliste für eine "Provisorische Regierung ("PG") für den Fall eines russischen Abzugs auf.

Viele Aktivisten und vorgesehene Mitglieder der PG wurden noch von den sowjetischen Besatzern verhaftet, getötet oder deportiert.

 

Die LAF diente den Deutschen als willige Helfer für Spionage und Sabotage.

 

Ein wichtiger Autor des LAF Programms war der Philosoph Antanas Maecina.

Seine Hauptthesen für das LAF Programm zur Befreiung Litauens waren:

- die litauische Rasse rein zu halten

- die litauischen Frauen sollten ihre Pflicht erfüllen und dem Staat so viele gesunde Babys wie möglich zu schenken

- Litauer sollten die grossen Städte Litauens ethnisch dominieren (in der Realität gab es in den größeren Städten grosse jüdische Gemeinden. Das Gebiet um Vilnius war polnisch, Vilnius halb polnisch, halb jüdisch. Der Anteil von Litauern lag bei 2-3 %). Dies beschreibt unter anderem Tomas Venclova in seinen Publikationen

- Loyalität und Respekt vor der litauischen Nation und Einheit des Landes (wahrscheinlich wegen der Vilnius Problematik)  müssten gestärkt werden

 

Die Ideologie der LAF war durch den Nationalsozialismus dominiert. Somit wurde sie ein wichtiger Helfer in der Vernichtungspolitik der Nazis. (Juden wurden der Kollaboration mit den sowjetischen Besatzern beschuldigt. Auch wenn Juden überproportional in den sowjetischen Sicherheitsorganen in Litauen arbeiteten, ist die Wahrheit differenzierter. Ich finde, man kann das neben den Statistiken der Historiker auch gut an Dalia Grinkeviciutes Buch "Aber der Himmel-grandios" sehen. Sie beschreibt ihre eigene Deportation in der ersten Sibirienverschickung 1941. Nicht nur Litauer, auch Letten, Esten und Finnen wurden nach Sibirien deportiert und kamen in unwirtlichen Gegenden ohne jegliche Infrastruktur an. Grinkeviciute beschreibt, dass auch Juden in den Zügen waren. Die Historiker sprechen von einer überproportional hohen Anzahl). 

Natürlich war ein Aufruhr der Litauer gegen die Besatzer legitim und notwendig. Trotz der von Deutschland koordinierten LAF (ihr wurde im November 1940 der Angriffstemin mitgeteilt) war es vorwiegend ein spontaner Aufstand gegen die verhassten Bolschewisten. Das Hinterland wurde dadurch unsicher und die russische Kontrolle über Litauen brach wie ein Kartenhaus zusammen.

Die Litauer haben sich zwischen Pest und Cholera für das vermeintlich kleinere Übel – die Deutschen –  entschieden. Für die litauischen Juden war der deutscher Einmarsch das sichere Todesurteil. Vielleicht sollte man das damalige jüdische Engagement auch unter diesem Gesichtspunkt sehen.

Die LAF behauptet, dass 100.000 Litauer am antisowjetischen Aufstand beteiligt waren. Sie sieht das als Beweis für die breite Unterstützung in der Bevölkerung. Die israelische Autorin Sarah Shner-Neshamit akzeptiert diese übertriebenen Zahlen, kommt aber zu einem ganz anderen Ergebnis, nämlich der massiven Kollaboration der litauischen Bevölkerung mit den Nazis. (S. Suziedelis: Kollaboration in Nordosteuropa/ S. Shner-Neshamit: Lithuanian-Jewish Relation During WW2). 

Oder wie Knut Stang in "Kollaboration und Massenmord" schreibt: "... insgesamt die Bejahung der NS-Herrschaft auch noch zu diesem Zeitpunkt [1943] wohl in keinem der von Deutschland besetzten Länder so groß wie in Litauen".

220.000 litauische Juden mussten dann unter dem Motto sterben: "Ihr habt uns deportiert, jetzt erschießen wir euch"! Heute nennt man das in Litauen die Theorie vom doppelten Genozid, also dem doppelten Völkermord. Die Juden (Bolschewisten, was für die Nazis das Gleiche war) hätten die Litauer nach Sibirien deportiert und getötet. Ja, Blödsinn. Aber es gibt in Vilnius ein offizielles Genozid und Widerstands-Zentrum, das die Deportationen und den Widerstand, und ein bisschen auch den Holocaust erforschen sollte.

 

 

Mit dem deutschen Angriff vom 22. Juni 1941 sah die LAF ihre Chance auf Verwirklichung ihrer Ziele und verkündete am 23. Juni die Unabhängigkeit Litauens. Die Provisorische Regierung wollte die Amtsgeschäfte übernehmen, hatte aber mit Problemen zu kämpfen. Ein Minister konnte nicht kommen, 4 waren noch am 21. Juni von den Russen verhaftet worden und der angedachte Präsident Kasys Škirpa stand in Berlin unter Hausarrest.

 

 Morde an der Lietukis Garage 1941 Kaunas

Weißarmbändler beim Massaker an der Lietukis Garage in Kaunas am 26.Juni 1941

 

Mit dem antisowjetischen Aufstand am 22. Juni 1941 kam es landesweit zu brutalen Überfällen auf Juden durch LAF Mitglieder und Sympathisanten, mit Tausenden von Toten. Das berühmteste ist das Lietukis Massaker an der Lietukis Garage in Kaunas. Dort wurden Juden vor Publikum die Bäuche mit Wasser aus Wasserschläuchen gefüllt und mit Eisenstangen erschlagen. Wehrmachtsoldaten schauten zu.

 

Zu dem Lietukis Massaker gibt es folgenden Eintrag in Protokollen der Provisorischen Regierung  (PG) vom 27. Juni 1941:

"Minister Zemkalnis reported on the extremely cruel torture of the Jews in the Lietukis garage in Kaunas. Decided: Notwithstanding all the measures which must be taken against the Jews because of their Communist activity and harm to the German Army, partisans and individuals should avoid public executions of Jews. It has been learned that these actions have been committed by people who have no connections with the [Lithuanian] Activist's Staff, nor the Lithuanian Provisional Government".

Lietuvos Laikinoji vyriausybe (zitiert aus S. Suziedelis "Lithuanian Collaboration"

Obwohl die PG vom Ausmass der Gewalt gegen die litauischen Juden geschockt war, gab es nur nur ein Mitglied, den Historiker , Zenonas Ivinskisder eine öffentliche Distanzierung von den Exzessen forderte.

 

Bevor die deutschen Einsatzkommandos ihre Arbeit aufnehmen konnten (Juden umzubringen), hatten die "Partisanen" schon 4.000 jüdische Litauer ermordet. (Jäger Report).

 

Dazu schreibt Walter Stahlecker, Führer der Einsatzgruppe A:

"...In Litauen haben sich bei Beginn des Ostfeldzuges aktivistische nationale Kräfte zu sogeannten Partisaneneinheiten zusammengefunden, um in den Kampf gegen den Bolschewismus aktiv einzugreifen. ...In Kauen [A.K.:Kaunas] hatten sich vier größere Partisanengruppen gebildet, mit denen das Vorauskommando sofort Fühlung aufnahm. Eine einheitliche Führung dieser Gruppen war nicht vorhanden. ... Während ein militärischer Einsatz der Partisanen aus politischen Gründen [A.K.:Wunsch nach eigenem Staat] nicht in Betracht kam, wurde in kurzer Zeit aus den zuverlässigen Elementen der undisziplinierten Partisanengruppen ein einsatzfähiger Hilfstrupp in Stärke von zunächst 300 Mann gebildet, dessen Führung dem litauischen Journalisten Klimaitis übertragen wurde. Diese Gruppe ist in weiterem Verlauf der Befriedungsarbeiten nicht nur in Kauen selbst, sondern in zahlreichen Orten Litauens eingesetzt worden und hat die ihr zugewiesenen Aufgaben, insbesondere Vorbereitung und Mitwirkung bei der Durchführung größerer Liquidierungsaktionen, unter ständiger Aufsicht der EK [Einsatzkommandos] ohne wesentliche Anstände gelöst."

 

Sarah Ginaite schreibt:" Zweifellos waren nicht alle baltaraisciai Judenmörder, aber an diesen Tagen zwischen Juni und August 1941 trugen alle Judenmörder weiße Armbinden, sie waren baltarasciai." Holocaust in Litauen, S.44

 

Dazu schreibt Raul Hilberg in "Die Vernichtung der europäischen Juden" auf S. 326:

"Zum Thema Pogrome sind die drei folgenden Beobachtungen hinzuzufügen. Erstens fanden wirklich spontane Pogrome nicht statt; sämtliche Gewaltausbrüche waren von den Einsatzkommandos entweder organisiert oder angestiftet worden. Zweitens ereigneten sich alle Pogrome innerhalb kürzester Frist nach Ankunft der Tötungskommandos; sie gewannen keinerlei Eigendynamik; eine Neuauflage war nicht möglich, sobald sich die Situation einmal beruhigt hatte. Drittens ereigneten sich die meisten der bezeugten Pogrome in den Puffergebieten [A.K.: Ansiedlungsrayon], wo eine unterschwellige Feindseligkeit gegen die Juden offensichtlich am größten war und wo das Gespenst einer sowjetischen Rückkehr die geringste Furcht auslöste, da die kommunistische Regierung dort erst vor kaum zwei Jahren die Macht übernommen hatte. "

 

Und im sogenannten Jäger Report heisst es:

"Auf meine Anordnung und meinen Befehl durch die litauischen Partisanen durchgeführten Exekutionen...

Nach Aufstellung eines Rollkommandos unter Führung von SS-OStuf. Hamann und 8-10 bewährten Männern des EK.3 wurden nachfolgende Aktionen in Zusammenarbeit mit lit. Partisanen durchgeführt:  ..."

Es folgen Städte, Daten und Todeszahlen. 137.346 (inklusive der bei Pogromen getöteten Juden).

Quelle: "Schöne Zeiten  Judenmord aus Sicht der Täter und Gaffer S. 52).

 

 

Die Nationalsozialisten versuchten weitere Aktionen der Litauer gegen die Juden zu initiieren. So gab Heydrich am 29. Juni 1941 die Instruktion heraus, dass die Einsatzkommandos, möglichst ohne selbst in Erscheinung zu treten, "Selbstreinigungsaktionen" antikommunistischer und antijüdischer Kräfte in den besetzten Gebieten auslösen sollten. (W.Wette "K.Jäger" S. 50)

Welche Zustände die deutschen Besatzer (selber nicht zimperlich) in litauischen Partisanengefängnissen vorfanden, zeigt der so genannte Jägerbericht auf S.8: 

"Eine der wichtigsten Aufgaben sah das EK3 (Einsatzkommando 3) neben den Judenaktionen, in der Überprüfung der meist überfüllten Gefängnisse in den einzelnen Orten und Städte. Durchschnittlich saßen in jeder Kreisstadt an 600 Personen lit. Volkszugehörigkeit im Gefängnis ein, obwohl ein eigentlicher Haftgrund nicht vorlag. Sie wurden von Partisanen aufgrund einfacher Denunzierungen usw. festgenommen. Viele persönliche Rechnungen waren dabei beglichen worden. Kein Mensch hat sich um sie gekümmert. Man muss in den Gefängnissen gewesen sein und sich mal einen Augenblick in den überfüllten Zellen aufgehalten haben, die in hygienischer Beziehung oft jeder Beschreibung spotten. In Jonava - und das ist ein Beispiel für viele- saßen in einem düsteren Kellerraum von 3 m Länge, 3 m Breite und 1,65 m Höhe, 5 Wochen lang 16 Männer ein, die alle entlassen werden konnten, weil gegen sie nichts vorzubringen war...".

Natürlich hatten die Deutschen kein Interesse an einer Unabhängigkeit Litauens und enthoben die (LAF) Provisorische Regierung schon am 28. Juli 1941 ihres Amtes.

Obwohl die Nationalsozialisten den Litauern offensichtlich keinerlei Unabhängigkeit zubilligten, hatten sie doch keine Probleme um Personal in ihren Verwaltungen und bei den Erschießungstrupps, den Sonderkommandos, zu finden.

Von den 220.000 (94 % der jüdischen Litauern, somit der höchste Prozentsatz aller von Deutschland besetzten Länder) in Litauen ermordeten Juden, starben die meisten innerhalb der ersten Monate der Besatzung.

Während anfänglich bei den Judenmorden noch Unterschiede zwischen Männern und Frauen/Kindern gemacht wurden, so fiel dieses Tabu im Hochsommer 1941. (J. Tauber) (Jäger Bericht).

Innerhalb von wenigen Monaten wurden 130.000 Juden ermordet. Wir reden hier vom Sommer bis Herbst 1941. Die Wannseekonferenz fand am 20.Januar 1942 statt.

 

"... Als wir uns eines Tages auf dem Heimweg vom Fünften Fort ins Getto befanden, hatten wir eine überraschende Begegnung. Bei der zweiten Rampe, wo wir die Waffen verladen hatten, standen Passagierzüge. Darin saßen Litauer in Uniformen der deutschen Polizei mit dem litauischen Wappen am linken Ärmel und am Helm. Wir hatten keine andere Wahl, als an ihnen vorbeizugehen.

Die Litauer kamen aus den Wagen, als sie uns erblickten, spuckten auf uns und sagten zueinander: "Wieso schickt man uns so weit weg, obwohl wir hier noch längst nicht alle Juden liquidiert haben?"

Dies waren die neuen Polizeibataillone, die 'Befreier Litauens', die 'Partisanen' oder 'Weißbänder', wie man sie heute nannte (Die Zusammenarbeit der Nationalisten mit den Hitler-Leuten, 1970, p. 100). Sie waren an der Ausrottung

der jüdischen Gemeinschaft Litauens wesentlich beteiligt. Nun wurden sie in andere besetzte Gebiete geschickt: Minsk, Lublin, Rzeszow ... Die Deutschen schienen nicht auf die Erfahrungen dieser Massenmörder verzichten zu können...

(Massenmorde in Litauen, 1965, p. 323)."

Alex Faitelson "Im jüdischen Widerstand" Seite 108

 

Nach dem Krieg versteckten sich viele Partisanen in den Wäldern, teils aus Angst vor Bestrafung durch die sowjetischen Besatzer, teils aus ehrlichem Freiheitswillen für ihr Land. Andere flüchteten mit der abziehenden Wehrmacht nach Deutschland und konnten später in andere Länder emigrieren.

 

"Die Flugblätter der Aktivistenfront waren von starkem Antisemitismus geprägt. Es wurde behauptet, dass sich die jüdische Bevölkerung in der Zeit der sowjetischen Besatzung kompromittiert habe. Andererseits hatte der Antisemitismus auch früher zum ideologischen Rüstzeug der nationalistischen Tautininkai-Partei und der Anhänger von Voldemaras wie auch vieler anderer osteuropäischer Extremistengruppen gehört. 

In einem vom litauischen Informationsbüro verbreiteten Flugblatt der LAF, das auf den 19.3.1941 datiert war, wurde u.a. gefordert: "Alle Kräfte müssen sich auf den Augenblick konzentrieren, in dem der Krieg ausbricht. Die örtlichen Kommunisten und sonstigen Verräter müssen sofort gefangen genommen werden, damit sie nicht der Bestrafung für ihr Verbrechen entgehen. (Verrätern wird nur verziehen, wenn sie bewiesenermaßen wenigstens einen Juden umgebracht haben.)""

Seppo Myllyniemi "Die baltische Krise 1938-1941" S.149

 

Noch heute zieht sich eine Linie durch die litauische Gesellschaft. Die einen honorieren die ehrbaren Absichten der Provisorischen Regierung und der LAF. Ihren Kampf für die Unabhängigkeit. Andere lehnen eine Ehrung ab, weil die LAF und die anderen Aufständigen maßgeblich am deutschen Holocaust beteiligt waren und die PG den Handlanger für die deutschen Besatzer spielte.  Die von der Provisorischen Regierung herausgegebene "Regelung des Status der Juden" war zwar nicht so scharf, wie die kurz danach von Gebiets-Kommissar Kramer verabschiedete. Sie waren aber offen antisemitisch und richteten sich gegen litauische Bürger.

 

Auch wenn die antisowjetischen Partisanen den Juden Furcht und Schrecken einflößten, waren sie nicht alle Mörder. Aber die traurige Rolle, die die Weiß-Armbindler (baltaraišciai) bei den Gräueltaten gegen Juden und vermeintliche Kommunisten spielten, hat verständlicherweise den Aufstand gegen die fremde Besatzung überschattet (Suziedelis "Lithuanian Collaboration"

 

Quelle: Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema lohnt sich:

When will the truth finally set us free

Lithuanian Historian rehabilitates PG

The PG and the jews: what do we know

Alex Faitelson  "Im jüdischen Widerstand"

Und das Standardwerk: "Holocaust in Litauen"

Und das Oberstandardwerk (übertrifft alles): Christopher Dieckmann " Deutsche Besatzungspolitik in Litauen 1941-1944" 1652 Seiten

Wikipedia

 

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