Teresa Golovenkova ist eine engagierte Fremdenführerin in Vilnius. Geboren in Vilnius mit polnischem Familienhintergrund, Studium der deutschen Sprache in Polen, lebt sie heute wieder mit ihrer Familie in Vilnius und läßt uns an ihrer litauischen Heimat teilhaben.

Besichtigungen von Vilnius, aber auch Paneriai, Trakai, Kaunas und anderen interessanten Orten in Litauen werden angeboten. Sie spricht perfekt Deutsch (und Litauisch, Polnisch, Russisch und Englisch). Ihre Website:  VILNIUSGUIDE

 

 

Deutsch-litauische Beziehungen von Teresa Golovenkova

 

“Das Litauertum braucht einen schweren und tief gegründeten seelischen Ausdruck als sein Gegenüber. Nur ein solches kann es zu einer Kraftentfaltung in Verbindung mit den Wirklichkeiten der Sinneswelt anregen. Und dazu ist wahrscheinlich unter den Völkern am ehesten das deutsche geeignet”
                                                                                                     Wilhelm StorostVydunas

 

 

 

Deutschland und Litauen: das Spektrum der Beziehungen und gegenseitigen Wahrnehmung umfasst viele Aspekte, die hier nur ganz kurz angedeutet werden können. Der Deutsche Orden als kriegerischer Nachbar des heidnischen Litauens; die Reformation; die Ereignisse des 20. Jahrhunderts.
Die Geschichte der deutsch- litauischen Beziehungen währt schon fast 800 Jahre. Die ersten Kontakte arteten  am Ende des 13. Jahrhunderts in einen regelrechten Krieg aus.  Die Litauer nahmen unter den Nachbarn des deutschen Volkes eine Sonderstellung ein. Diese Nachbarschaft war zeitlich und räumlich eng begrenzt. Als im 13. Jahrhundert die Deutschen das erste Mal mit den baltischen Völkern zusammentrafen, war das für sie eine fremdartige, gefährliche Welt. Die deutschen Kreuzritter sahen in ihnen nicht nur Fremde, deren Sprache sie nicht verstanden, sondern Heiden, die man bekämpfen und bekehren musste.

 

ordensritter  tannenberg litauen

Schlacht bei Tannenberg  Deutscher Orden gegen Polen/Litauen


Zwischen Preußen und Livland lag das litauische Samaiten (Zemaitija), zwei Jahrhunderte lang Gegenstand der Angriffe des Ordens. Ziel dieser Angriffe war die Errichtung einer Landbrücke zwischen  Preußen und Livland. Die Litauerkriege des Deutschen Ordens waren ein europäisches Phänomen. Nicht nur aus dem Deutschen Reich, sondern aus fast allen europäischen Ländern zogen nun Fürsten und Adlige nach Preußen, um ihr Rittertum im Kampf gegen die Heiden zu bewähren und um an den ritterlichen Festen teilzunehmen, die im Zuge dieser Kreuzzüge veranstaltet wurden. Der Zweck der Kriegsreisen der Deutschen war auch die Erstürmung von feindlichen Festungen und Erbauung von Burgen auf feindlichem Gebiet zur Sicherung ihrer Operationslinie und Gewinnung eines strategisch wichtigen Punktes. Dieser Krieg wurde mit Überlegung geführt. Der Orden bemühte sich um solche Deutsche, die den Boden bebauen wollten. So entstanden die Niederlassungen der Kaufleute, aus denen sich schließlich Städte entwickelten.
In der unfriedlichen ersten Epoche der deutsch-litauischen Beziehungen gibt es en interessantes Zwischenspiel: die Zeit des litauischen Königs Mindowe (Mindaugas). Der litauische König bot die Taufe als Gegenleistung für die Unterstützung des Ordens bei seinen innerlitauischen Kämpfen an. Er wurde von Christian, einem Priester des Deutschen Ordens, der im Jahre 1253 der erste Bischof von Litauen wurde, zum Christentum bekehrt. Mindowe übertrug dem Orden wahrscheinlich die Herrschaft über das litauische Stammland Samaiten. (Die Echtheit von Urkunden Mindowes für den Deutschen Orden ist umstritten.)  Natürlich blieb eine Reaktion des "Heidentums" nicht aus. Es sammelte sich, und brachte dem Deutschen Orden im Jahre 1260 eine erschütternde Niederlage bei.

 

Gediminas Litauen

Gediminas  Großfürst von Litauen ab 1316


 Die Zeit nach 1263 war  für Litauen eine Epoche der Zerrissenheit, in der jegliche zentrale Gewalt fehlte. Klug und erfolgreich schuf das litauische Großreich Gediminas (1316- 1341). Er holte  deutsche Kaufleute, Handwerker, Bauern und auch Geistliche ins Land. Mit der Hanse und den nordbaltischen Städten pflegte Gediminas rege Handelskontakte.  Das alles hinderte den Deutschen Orden aber nicht daran, nahezu jährlich einen ergebnislosen Feldzug gegen Litauen zu führen. Es ist dem Deutschen Orden nicht gelungen, Litauen zu missionieren. Litauen übernahm das Christentum aus Polen. Im Jahre 1386 wurde Jagiello getauft. Der Deutsche Orden war jedoch der Meinung, die Taufe sei nur eine Täuschung und es müsse weiterhin der Heidenkrieg gegen die Litauer geführt werden. Ein besonders bemerkenswerter  Erfolg gelang dem Orden 1398 mit dem Vertrag von Sallinwerder. Einen Erfolg für den Orden stellten die territorialen Bestimmungen des Vertrages dar. Witold (Vytautas) trat dem Orden Samaiten ab. Die Abtretung von Samaiten war der Preis für die Unterstützung Witolds durch den Deutschen Orden. Auch der Orden verzichtete auf bestimmte Gebiete. Beide Seiten einigten sich in Bezug auf ihre Interessensgebiete.

 

Vytautas

Vytautas    Großfürst von Litauen ab 1392

So wurde schon bald nach 1386 aus Litauen, dem Feind von gestern, ein Verbündeter Preußens gegen die polnische, später auch in Livland (mit dem Deutschen Orden) gegen die Moskauer Expansion. 
Im Jahre 1399 hat der Orden am Krieg gegen die Tataren teilgenommen, erlitt aber eine Niederlage. Die Schlacht an der Worskla am 12. August 1399 änderte auch die Situation des Ordens. Polen und Litauen rückten wieder zusammen. Samaiten ließ sich nicht halten. Im Zuge eines Aufstandes wurde der Orden aus dem Lande vertrieben.


 1409 führte der Deutsche Orden einen erfolgreichen Präventivkrieg gegen Polen und Litauen. Ein Jahr später jedoch, bereiteten Witold und Wladyslaw II. dem Deutschen Orden bei Tannenberg eine katastrophale Niederlage, die als ein zentrales Ereignis in der Geschichte, nicht nur Preußens, sondern auch noch Polens und Litauens angesehen wird. Die Wirkung dieses Schlachtausganges war ungeheuer. Von 1419 bis 1422 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Union und dem Orden, bis mit dem Frieden vom Melnoer See die Grenze des Ordenslandes im Osten und Norden gezogen wurde, wie sie bis in das 20. Jahrhundert Bestand hatte. Sie war somit eine der beständigsten Grenzen Europas.


 Noch um 1400 spürt man in Litauen einen starken deutschen Kultureinfluss. In keinem nichtdeutschen Land (ausgenommen den skandinavischen Ländern) war die deutsche Sprache im externen Schriftverkehr so verbreitet wie in Litauen. Aber der Deutsche Orden galt als der Träger einer sehr beschränkten, einseitigen Kultur. Dr. W. Pierson bemerkte: “Der einzige, freilich sehr dunkle Flecken an der Regierung des Ordens war das Unrecht, welches er durch gänzliche Vernachlässigung der geistigen Interessen seiner preußisch redenden Untertanen beging. Er sorgte väterlich nur für die Deutschen” (die Ansiedler). Nach dem Willen der Ordensbrüder sollte die Eigenart des Lebens der alten Bewohner von Litauen also untergehen.

 


2.1.2. Der neue Charakter der deutsch-litauischen Beziehungen


Der Frieden vom Melnoer See von 1422 veränderte den Charakter der deutsch- litauischen Beziehungen. Damit wurde die erste Etappe dieser Beziehungen beendet und es begann eine neue.  Erst nach diesem Friedenschluss entstand eine wirkliche Nachbarschaft zwischen beiden Völkern. Wohl wurde in früherer Zeit schon etwas gehandelt: der Memelstrom war eine wichtige Handelsstrasse. Die Stadt Kauen, durch Witold 1408 gegründet, war das Haupttor für den litauischen Außenhandel. Hier entstand ein Kontor der deutschen Hanse, das im 15. und bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts einen Mittelpunkt des deutschen Handels in Litauen bildete.
    In die politische Auseinandersetzung zwischen Litauen und Deutschland mischte sich nach 1422 das mittelalterliche Kaisertum. Der deutsche König Sigismund verfolgte das Ziel, Litauen und Polen zu trennen und Witold zum König von Litauen unabhängig zu machen. (Da der achtzigjährige Witold 1430 gestorben ist, ist es zur Krönung allerdings nicht mehr gekommen.) Bald änderte sich die politische Lage des Ordens gegenüber Polen. Der preußische Bund bot schon 1435 dem König des vereinten Litauen- Polen, Kasimir, die Herrschaft über Preußen an. So hatte der Orden gar im Innern einen Feind. Es kam zwischen dem Orden und Polen zum erneuten Krieg 1454- 1466, der mit dem II. Thorner Frieden vom 19.10.1466 endete. Litauen wollte sich an diesem Krieg nicht beteiligen, es blieb neutral. Der Orden verlor weitere seiner Gebiete (Pomerellen, das Kulmer Land, Ermland, sowie die Städte Danzig, Elbing und Marienburg).  Der Sitz des Hochmeisters wurde nach Königsberg verlegt. Der Orden war jetzt finanziell ruiniert, das Land war im großen Maße zerstört. Es war nötig, das Land neu zu bevölkern und zu kultivieren. Das verwilderte Land wurde mit der Zeit wieder urbar. Hier wurde preußisch- litauische Heimat geschaffen (in neuer Zeit  “Klein – Litauen” genannt).
    Dem Litauertum gegenüber befand sich das Deutschtum in einer ganz anderen Lage als  gegenüber den anderen Nachbarvölker. Das Großfürstentum Litauen war kulturell keine Einheit, sondern ein Vielvölkerstaat, in dem Litauer in der Minderheit waren. Die Kultur- und Bildungspolitik bezüglich der litauischen Bevölkerung war eine schwierige Aufgabe für die preußische Regierung. Sie musste auf unterster Ebene mit dem Aufbau eines Bildungswesens beginnen. So wurde die litauische Sprache in die kirchliche Literatur eingeführt, später dann Schulen gebaut. Das Ergebnis dieser Politik liegt noch heute vor. Einerseits haben die Schulen zur Eindeutschung der Litauer beigetragen, andererseits haben sie Ihnen den Zugang zu einer höheren Bildung geöffnet. Es gab bis zum 18. Jahrhundert nicht viele Schulen, die Bevölkerung auf dem Lande bestand meistens aus Analphabeten
  
2.1.3. Die Reformation und die Veränderungen, die sie mit sich brachte


Da die Meinung vorherrschte, man lebe im Ordensland Preußen besser als in Litauen, zogen viele Litauer nach Preußen. Auch Deutsche zog es vereinzelt in die großen litauischen Städte, was zur Entstehung eines zahlenmäßig geringen deutschen Bürgertums geführt hat. In dessen Kreisen fand die aus Deutschland kommende Reformation schnell ihre Anhänger und beeinflusste die weitere Entwicklung des Deutschtums in Litauen. So gehören z.B. im Jahre 1552 zu einer evangelisch – lutherischen Kirchengemeinde in Kaunas 124 Familien. Im Jahre 1547 hat Martin Mosvidus, an der Universität Königsberg den “Kleinen Katechismus” Luthers übersetzt. Herzog Albrecht vergab Stipendien an junge Adlige aus Litauen und hat damit zur Reformation in diesem Land beigetragen. Um das Jahr 1550 hatte die Reformation im ganzen litauischen Volk Aufnahme gefunden. Die Litauer zeichnete religiöse Toleranz aus; anfangs lebten Christen und Heiden problemlos nebeneinander, später Lateiner und Orthodoxe, jetzt Katholiken und Protestanten. Bemerkenswert ist die damalige große Zahl von Litauern in Königsberg. In den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts wurde die Lehre Martin Luthers in vielen katholischen Kirchen Litauens verkündet.
    1558 konnte der deutsche Orden dem Angriff der Moskowiter nicht standhalten und so stellte er sich unter den Schutz der litauisch- polnische Union.  Litauische Truppen übernahmen die Ordensburgen. Das rief einen Krieg mit Moskau hervor. Litauen suchte Hilfe bei dem polnischen Unionspartner (am 01.07.1569- Union von Lublin). Somit hatten Litauen und der deutsche Orden einen gemeinsamen Herrscher, eine einheitliche Währung und übten die gleiche Außenpolitik aus. Damit hat die Rekatholisierung Litauens begonnen.
    Die seit 1568 durch den Jesuitenorden betriebene Gegenreformation führte den größten Teil des litauischen Volkes zur katholischen Kirche zurück. Das hat dazu geführt, dass schon bald die Stellung der Deutschen in den Städten erschüttert wurde. Jetzt fanden die Deutschen ihren Weg in die Kleinstädte und aufs Land. (1567 wurde in Tauroggen eine deutsche Gemeinde gegründet; 1572 siedelte Johann Chotkiewcz (Chodkiewicz ) auf seinem Gut Skudy Deutsche an; 1587 entstand der Ort Birsen)
    Man sollte hier auch betonen, wie groß die Rolle der deutschen Gelehrten an der Wilnaer Universität war. Katholische Mönche aus Preußen waren die ersten deutschen Gelehrten an der Hochschule. (Z.B. Simon Behrendt, Thomas Klage, Andreas Rosenwald). Insgesamt sind die Namen von 34 deutschen Gelehrten bekannt, die in Wilna tätig waren: z.B. Georg Forster, Ferdinand Spitznagel, Peter Albricht, Benjamin Haustein, Johann Heinrich Abicht, Ernst Gottfried Groddeck u.A. Ihr  Wirken war nicht nur für die Universität bedeutsam, sondern für das ganze Land.



2.1.4. Das schwache Litauen


Schon in der Lubliner Union von 1569 bekam das erheblich verkleinerte litauische Großfürstentum nur die Rolle des Juniorpartners in Doppelreich Polen- Litauen zugewiesen. Litauische Geschichte ist demzufolge in diesem Zeitraum weitgehend polnische Geschichte, was sich auch auf das Verhältnis Preußens zu Litauen auswirkt.
Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Litauen immer wieder von Konflikten erschüttert und geschwächt. Am 8. August 1655 wurde Vilnius von russischen Truppen eingenommen und sechs Jahre lang besetzt gehalten. Gleichzeitig, im Sommer 1655, wurden Polen und Litauen von Schweden überfallen. Schweden wurde schließlich 1660 besiegt; mit  Moskau wurde 1686 Frieden geschlossen, jedoch nur unter schweren territorialen Verlusten. Aber die schlimmeren Folgen der Kriege sollten erst noch kommen: Die dadurch hervorgerufene Zerstörung brachte Hunger und Plagen mit sich. In der Zeit 1648 – 67 verlor das Großfürstentum Litauen 46% seiner Bevölkerung. Dazu noch folgte bald, durch die Anarchie und Sippenherrschaft des konservativen Adels bedingt, ein Bürgerkrieg zwischen den regierenden Magnaten und dem übrigen Adel, der das Land noch mehr schwächte und zu einer bürgerkriegsähnlichen Situation führte, die Österreich, Russland und Preußen nutzten, um Polen 1772, 1793 und 1795 zu teilen.

 

Polnische Teilung

Polen wurde durch Preussen/Russland und Hohenzollern dreimal geteilt

 

 

Nur die dritte Teilung Polens von 1795 berührte das litauische Stammland unmittelbar. Während der Hauptteil des litauischen Siedlungsgebietes an Russland fiel, gelangten der größte Teil der Woiwodschaft Trakai und ein kleiner der Woiwodschaft Samogitien an Preußen und wurde dem Departement Neupreußen zugeschlagen.
    Auch während die baltischen Gebiete unter dem Einfluss Polens, Schwedens und Russlands lagen, spielten die Baltendeutschen in der Oberschicht der Städte und als adelige Großgrundbesitzer weiterhin eine wichtige Rolle. Die Deutschen blieben zwar immer eine Minderheit, stellten jedoch weitgehend die Oberschicht der Gesellschaft.   
    Die private Kolonialisierungspolitik der litauischen und polnischen Magnatenfamilien führte auch noch im 18. Jahrhundert Deutsche nach Litauen. 1790 rief  Fürst Nestor Kasimir Sapieha deutsche Handwerkerfamilien in das Städtchen Prenen. Weitere deutsche Siedlungen entstanden damals in Janow, Schaulen, Zvyren, Kedahnen und Godlewo.
    Dr.Wilhelm Storost Vydunas beschreibt sehr interessant in seinem Buch “Sieben Hundert Jahre deutsch – litauischer Beziehungen” das Verhältnis zwischen Deutschen und Litauern: Jahrhunderte hindurch vermieden die Angehörigen beider Seiten, Verbindungen miteinander einzugehen, nicht nur weil die Landesherren sich das nicht wünschten. Selbst die Litauer waren durchaus nicht geneigt, Verwandtschaftsverhältnisse zu den Deutschen zu schaffen. Sie hatten eben eine ganz eigene stolze Selbsteinschätzung. Es war nicht immer möglich, die Litauer und die Eingewanderten von einander zu trennen. Deswegen kam es doch zu Verbindungen zwischen ihnen. Der Prozess, bis die meisten Deutschen mit den Litauern verwandt waren, vollzog sich zuerst im Süden, und langsamer im Norden. Die litauische Bevölkerung erscheint nach dem Geblüt litauisch zu sein, anders aber sieht es aus, wenn man auf die Anwendung in Namen und Bezeichnungen der deutschen Sprache achtet. (Z.B. wurde der Name Tevelis zu Thewellies u.s.w.)

 


Im Folgenden werde ich kurz die Geschichte Litauens im 19. Jahrhundert beschreiben.

 

1807 gründete Napoleon das Großfürstentum  Warschau, auf dessen Gebiet die Leibeigenschaft aufgehoben und alle Bürger gleichgestellt wurden. 1812 kam Napoleon auch nach Vilnius und berief dort eine provisorische Regierung. Doch schon der gescheiterte Marsch auf Moskau beendete die halbjährige Existenz des Großfürstentums Litauen. Es folgten Massenverhaftungen und Verfolgungen der patriotischen  Studentenschaft.

Im Namen Gottes für unsere und eure Freiheit      Fahne vom Novemberaufstand

 

Ein Anstoß zu weiteren Repressionen wurde der gescheiterte Novemberaufstand in Polen, der sich 1831 auf Litauen übertrug und auch dort scheiterte. Auch der zweite polnische Aufstand von 1863/64 wurde brutal niederschlagen.  Es folgten Druckverbote für Publikationen in litauischer Sprache bzw. sie mussten in russischer Schrift, der so genannten grashdanka verfasst werden. Tausende von litauischen Büchern wurden deshalb bis 1904 in Ostpreußen gedruckt. Dafür entfaltete die Untergrundopposition eine rege Tätigkeit. Sie führte zur Entstehung der litauischen Nationalbewegung, die sich 1883 aus den losen Organisationen herauskristallisierte. In diesem Jahr erschien im ostpreußischen Tilsit das erste Mal eine litauische Zeitschrift die “Aušra”. Wirtschaftliche und soziale Fragen gewannen an Bedeutung. Königsberg war zu dieser Zeit eine Zentrale für die Ausbildung litauischer Führungskräfte.


Zur Zeit der Jahreswende 1904/05 herrschte in Russland Revolutionsstimmung, begünstigt durch den russisch- japanischen Krieg. 1904 erhoben die Sozialisten in aller Öffentlichkeit die Forderung nach einer unabhängigen litauischen Republik. Im Oktober 1905 wurde diese Forderung durch ein Memorandum litauischer Nationalisten nochmals verstärkt. Anfang Dezember 1905 traten 2000 Delegierte in Wilna zum “Großen Litauischen Landtag” zusammen. Die russische Regierung hielt sich zurück.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte das Traumziel eines souveränen litauischen Staates bereits tiefe Wurzeln geschlagen.



2.1.5. Das Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen


Wird fortgesetzt..



Bilder: Wikipedia

 

 

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