Augustinas Voldemaras

 Augustinas Voldemaras

Augustinas Voldemaras    Foto: Wiki

 

Augustinas Voldemaras (1883-1942) war ein litauischer Philologe (Soziologische Studien, Römische Geschichte, Sprachen), Historiker und Politiker.

Er beherrschte 16 Sprachen. 1918 war er kurz Litauens erster Premierminister und nahm als Außenminister an den Friedensgesprächen in Versailles teil. Als im Juni 1920 eine demokratische Regierung durch Wahlen gebildet werden sollte, trat Voldemaras und seine Regierung zurück und er war wieder im Lehrbetrieb tätig. 1926 wurde er in den Seimas gewählt, war sehr kritisch gegenüber der Regierung Grinius und lehnte deren nachsichtige Haltung gegenüber Minderheiten ab. Im Dezember 1926 kam er zusammen mit Smetona durch einen Militärputsch an die Macht, war bis September 1929 Premier- und Außenminister und wurde dann von Präsident Antanas Smetona und Finanzminister J. Tūbelis mitsamt Regierung gestürzt.

1926 wurde der Gelezinis Vilkas gegründet. Der Eiserne Wolf, nach der Sage von Gediminas Gründung der Stadt Vilnius, war eine Faschistische Organisation, antisemitisch (siehe unten) und nationalistisch, gegründet von rechten Armeeoffizieren und Studenten. Ihr Ziel war, die Feinde des litauischen Staates zu bekämpfen. Voldemaras beteiligte sich aktiv an der Organisation des Gelezinis Vilkas, während Smetona der Ehrenvorsitzende war.

Gelezinas Vilkas Litauen Kernave

Der Eiserne Wolf in Kernave mit dem damals noch jungen Autor.

 

Die gemeinsame Partei von Smetona und Voldemaras war die Tautininkai (die Völkischen), später umbenannt in "Litauische Völkische Union" (Lietuviu Tautininku Sajunga). Im Mai 1926 hatte die Tautininkai 3 Sitze im Seimas errungen und etwa 500-600 Mitglieder.  Dazu schreibt Christoph Dieckmann (1.):

"Sie richteten sich rasch antiparlamentarisch aus und mussten teilweise in der Illegalität  arbeiten, ihre Zeitungen wurden immer wieder verboten. Es durften nur ethnische Litauer Mitglied werden, [A.K.: also keine Juden] und man propagierte den Aufbau einer starken Armee und einen starken >Führer<."  

...

1938 hatte die LTS (Litauische Völkische Union, kurz Tautininkai) bereits 13.000 Mitglieder.

 

Voldemaras äußerte sich zunehmend kritisch zu Smetonas liberaler Politik. (Schon 1923 wurde er für allzu scharfe politische Textbeiträge zu einem Monat Arbeitslager verurteilt).

Folgerichtig kam es zur Spaltung::

"Von den Tautininkai  spalteten sich die Rechtsextremen um Voldemaras ab. Sie gründeten die >Gelezinis Vilkas< (Eiserner Wolf), in dem sich vor allem Luftwaffen- und Heeresoffiziere in der Illegalität organisierten." 1. 

 

Dieckmann beschreibt die Gelizinis Vilkas als "radikale faschistische Gruppe", die 1927 als geheimer paramilitärischer Verband nach dem Vorbild der italienischen Faschisten gegründet wurde. Voldemaras benutzte sie, um die Regierung Smetona zu bekämpfen.

"Der Verband hatte kein politisches Programm, sondern verstand sich als aktive politische Wache des litauischen Volkes, der alle »antivölkischen« und »antistaatlichen« Aktivitäten bekämpfen wollte, um eine neue Ordnung nach italienischem Vorbild zu schaffen. Seine Hauptgegner sah er in Polen und Juden. Er behauptete, seine Ziele seien »die Ehre des Volkes und das Wohlergehen des Staates«. In Kaunas hatte der Gelizinas Vilkas 1930 etwa 1.000 bewaffnete Mitglieder. 

 

Die Mitglieder des `Eisernen Wolfes` waren zu Säuberungen und Terror bereit. Sie wurden 1929 verpflichtet nicht bei jüdischen Händlern, sondern nur bei Litauern zu kaufen!

 

Das Verhalten der sowjetischen Sicherheitsorgane beim Massaker von Rainiai war natürlich indiskutabel. Aber angenommen die Gefängnisinsassen bestanden zum Großteil aus Mitgliedern dieser um "Ehre" bemühten "Heimwehr", dann ist zumindest die Inhaftierung und Hinrichtung der Männer beim Abzug der Roten Armee aus sowjetischer Sicht verständlich (wie gesagt: natürlich nicht die Folterungen).

 

 

1934 wagte Voldemaras mit Offizieren, die dem Gelezinis Vilkas nahe nahe standen, einen Putsch gegen Smetona, der allerdings scheiterte. Voldemaras saß daraufhin bis 1938 im Gefängnis und wurde (mit der Auflage sich politisch nicht mehr zu engagieren) nach Paris ins Exil geschickt.

Er kehrte 1939 nach Litauen zurück und wurde erneut exiliert. Im folgenden Jahr, mit der Besetzung Litauens durch die Sowjetunion im Rahmen des Deutsch-Sowjetischem Nichtangriffspaktes (auch Hitler-Stalin Pakt), kam er erneut nach Litauen, wurde schon an der Grenze verhaftet und dann in die Sowjetunion deportiert.

Voldemaras und seine Frau Matilda Delahay waren die Paten vom späteren litauischen Präsidenten Valdas Adamkus (Geburtsname Voldemaras Adamkavicius).

 

"Seine Anhänger, die man als litauische Faschisten bezeichnen kann, hatten spätestens seit 1938 mehrfach durch deutsche Abwehragenten Geld und Waffen, u.a. für Judenpogrome erbeten."

Seppo Myllyniemi "Die baltische Krise 1938-1941" S.52

"Die Flugblätter der Aktivistenfront waren von starkem Antisemitismus geprägt. Es wurde behauptet, dass sich die jüdische Bevölkerung in der Zeit der sowjetischen Besatzung kompromittiert habe. Andererseits hatte der Antisemitismus auch früher zum ideologischen Rüstzeug der nationalistischen Tautininkai-Partei und der Anhänger von Voldemaras wie auch vieler anderer osteuropäischer Extremistengruppen gehört. 

In einem vom litauischen Informationsbüro verbreiteten Flugblatt der LAF, das auf den 19.3.1941 datiert war, wurde u.a. gefordert: "Alle Kräfte müssen sich auf den Augenblick konzentrieren, in dem der Krieg ausbricht. Die örtlichen Kommunisten und sonstigen Verräter müssen sofort gefangen genommen werden, damit sie nicht der Bestrafung für ihr Verbrechen entgehen. (Verrätern wird nur verziehen, wenn sie bewiesenermaßen wenigstens einen Juden umgebracht haben.)""

Seppo Myllyniemi "Die baltische Krise 1938-1941" S.149

 

Yad Vashem schreibt über Voldemaras:

"Faschist und antisemitischer litauischer Politiker. Voldemaras Unterstützer – finanziell unterstützt vom deutschen Aussenministerium – waren mit die führenden litauischen Nazi Kollaborateure, die aktiv an der Ermordung der Juden in Litauen und anderen Ländern teilnahmen."

 

Augustinas Voldemaras starb unter ungeklärten Umständen am 16.Dezember 1942 im Moskauer Butyrka Gefängnis.

 

Beiträge und Anregungen erwünscht.

 

1. Christoph Dieckmann "Deutsche Besatzungspolitik in Litauen 1941-1944)

Zu Voldemaras gibt es auch einen interessanten Artikel bei Lituanus – von Kristina Vaicikonis

 

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