5.+6. Tag Donnerstag Birzai

 

Heute lass ich es ruhig angehen. Keine Lust auf große Touren. Ein Fahrrad wird ausgeliehen und es geht auf den Wochenmarkt, der hier Donnerstags und Samstags stattfindet.

Es gibt eine Halle für Fleisch und Fisch, eine Abteilung für Kleidung und ganz rechts der Bauernmarkt. Der ist am interessantesten. Am Eingang beobachte ich die Menschen und fühle mich an ein Gemälde von Adriaen Brower erinnert. Man muss sich einfach etwas Zeit nehmen.

Birute

Neben der Kirche steht die Freiheitsstatue der Litauer, die Birute. Hier sieht man die Birzaier Originalstatue. Sie wurde von den Sowjets vergraben und später durch eine neue ersetzt.

Schloss von Birzai

Birzaier Schloss

 

Sirvenos See

Schloss und Kirche

 

Danach gehts zum Birzaier Schloss. Früher war es eine Verteidigungsburg günstig zwischen den Flüssen Agluona und Apacija gelegen. Der Ablauf dieser Flüsse wurde gestaut und es entstand der größte künstliche See Litauens. Alles als Verteidigungsanlage gegen Angreifer aus dem Norden (vor allem die Kreuzritter).

Vor dem Schloss werden gerade die alten Arsenale wieder aufgebaut.

Neben dem Heimatmuseum Sela ist hier die Bücherei untergebracht. Dort gibt es öffentliche Computer und ich checke meine Emails.

 

Jüdischer Friedhof Birzai

Der größte jüdischer Friedhof Litauens

Über die Wehrdämme zwischen Schloss und Sirveno See gehts zum größten jüdischen Friedhof Litauens. Früher war er total überwuchert. Aber seit eine Gruppe engagierter Detmolder Christen den Friedhof säuberten, sind wieder weite Teile des Geländes begehbar. Leider sind viele Gräber in schlechtem Zustand.

 

Astravas Brücke über den Sirveno See

Die längste Holzbrücke Litauens verbindet Birzai mit dem Astravas Herrenhaus

 

Astravas Herrenhaus

Astravas Herrenhaus Birzai

 

Astravas Rosarium

Kein Rosarium und kein Park, trotzdem schön

 

Weiter gehts zur Astravas Brücke, der längsten Holzbrücke Litauens, die über den Sirvenos See zum Gutshaus Astravas führt. Da in den Reiseführern immer etwas von einem tollen Park am Gutshaus steht (Günter Schäfer: "Schön ist auch die Parkanlage mit 6 Teichen und einem Rosarium"), ich bei meinen vorherigen Besuchen davon nie etwas gesehen habe, wollte ich diesmal genauer nachschauen. Und tatsächlich gibt hier es außer Bäumen nichts. Trotzdem ist das Astravas Haus einen Besuch wert ! Hier gibt es auch eine der größten litauischen Leinenfabriken, die man aber leider nicht besichtigen kann. Die Produkte kann man aber in der Stadt kaufen.

Alter Laden Astravas 
Laden neben dem Astravas Herrenhaus

 

Schon alleine einen Besuch wert

 

Da die Sonne brennt, kaufe ich mir in diesem "Supermarkt" direkt neben dem Anwesen eine Flasche Wasser. Irgendwie schön, dass es so einen Laden noch gibt. Die Freundlichkeit der Verkäuferin erinnert an die Sowjetunion.

Es geht weiter am nördlichen Ufer des Sirvenos Sees Richtung Astravas Wald. Am Sirvenos See sind deutliche Biber Spuren und ein Bau zu sehen. Leider bekomme ich die Tiere nicht zu Gesicht.

Spuren von Bibern

Spuren von Bibern

 

Wald von Astravas

Gedenkstätte im Astravas Wald    Hier wurden 2400 Birzaier Juden ermordet

 

Die Gedenkstätte für die Massaker der deutschen Besatzer an den Birzaier Juden 1941 (Karl Jäger und seine Einsatztruppen) befindet sich am nord-östlichen Seeufer. 1941 wurden hier 2400 Juden ermordet.

 

Inzwischen ist Hunger aufgekommen und ich mache Rast bei Zenes Klezienes Valgykla an der Vytauto Gatve nahe der katholischen Kirche. 

Rote  Bete Suppe Birzai

Essen bei Zenes neben der katholischen Kirche

 

Zenes Rote Bete Suppe ist einfach klasse. Dazu gibt es Kotelettas (Frikadellen) mit Knoblauch und Kümmel, Kraut und Kartoffeln. Zusammen mit einer Cola kostet das 10 Litas.

Am Nachmittag versuche ich die toten Insekten von der BMW zu putzen und mache Pläne für die Rückfahrt zur Fähre nach Klaipeda am Samstag. Gerne würde ich noch einmal das IX. Fort (Devintas Fortas) in Kaunas besuchen. 1996 war ich schon mal dort, kann mich aber nicht mehr an Details erinnern. Danach würde ich gerne an der Memel bis Jurbarkas fahren, eine Strecke, die ich noch sehr positiv von früher in Erinnerung habe.

 

Freitag

 

Angeln an der Musa

An der Musa kurz vor der lettischen Grenze

 

Nach einem guten Frühstück suche ich im Garten nach Würmern. Heute geht's mit Drasius zum Angeln an die Musa. Hier sieht man sehr gut, dass der Winter gerade erst vorbei ist. Die Vegetation traut sich gerade erst aus ihrem Winterschlaf heraus (9. Mai).

Die Musa entspringt in einem Moor bei Joniskis und vereinigt sich bei Bauska mit dem Nemunelis und heißt ab da Lielupe, Großfluss.

Die Strömung ist sehr stark und der Fluss voller Leben. Fische springen, jagen Fliegen, Flucht vor Raubfischen.

Es gibt auch Frösche und Störche. Neben einem kleinen Weißfisch interessieren sich nur 15 Minibarsche für meine Würmer.

Abends ist Sauna angesagt. Jonas hat Geburtstag. Neben Saslikas gibt es Birzu Alus.

 

Saslikas in Marinade

Mariniertes Fleisch für die Saslikas

 

Sauna_Birzai_Litauen

Saslikas, Zwiebeln und Bier

Bei einem der Saunagänge lasse ich mich mit einem Bund Birkenzweige (mit Blätter, getrocknet und vorher in Wasser getaucht) "kasteien". In Deutschland völlig unüblich, aber sehr gut für den Körper. Ich denke an Luthers Selbstkasteiung. Vielleicht war er auch nur in der Sauna.

Am Tisch entwickelt sich eine politische Diskussion. Es stellt sich heraus, dass die Mehrheit gegen die EU Mitgliedschaft ist (zu viel Einflussnahme auf litauische Gesetze) und ALLE! sind für die Todesstrafe. Ich bin erstaunt. Wie wäre wohl das Abstimmungsergebnis an ostdeutschen Biertischen?

Überall in Litauen stehen Hinweisschilder, was die EU alles sponsert. Gefühlt alles was Geld kostet. Man ist zwar für eine Wirtschaftsunion (sprich das Geld kann ruhig fließen), die Gesetzte sollen aber im Lande gemacht werden. Auch ein Beitritt von Belarus und Russland wären dann möglich (was in den Ländern passiert würde dann ausgeklammert).

Interessant!

 

 

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