Kaunas

 

 

Neben Vilnius sicherlich die schönste Stadt in Litauen ist Kaunas. Lässt es der Zeitplan zu, sollte man einen Besuch in Kaunas unbedingt einplanen!

Kaunas ist neben der Kurischen Nehrung und Vilnius wohl das sehenswerteste touristische Ziel in Litauen.

Einen Rundgang durch die Stadt mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten beschreiben wir hier.

 

Kaunas (russisch Kowno, deutsch Kauen) ist die zweitgrößte Stadt Litauens mit ca. 320.000 Einwohnern.

Im Rahmen der dritten polnischen Teilung 1795 kam Kaunas unter russische Besatzung. 1879 begann das zaristische Russland mit dem Ausbau Kaunas zu einer Festungsstadt. Acht Forts und 9 Batteriestellungen wurden für einen inneren Befestigungsring um die Stadt gebaut

Gebracht hat das nicht viel.

Vor dem I. Weltkrieg wollte man noch einen äußeren Befestigungsring bauen. Fertig wurde aber nur das sogenannte IX. Fort. Das IX. Fort erlangte traurige Berühmtheit, weil hier ab 1941 die meisten der Kaunaser Juden ermordet wurden. Mehr dazu gibt es im Kapitel IX. Fort (Unser Besichtigungstipp!)

Als Litauen nach dem I. Weltkrieg wieder unabhängig wurde, intervenierte die polnische Armee unter General Zeligowski und besetzte Vilnius. Begründet wurde dies durch die dortige Bevölkerungsstruktur. Vilnius wurde mehrheitlich von Polen und Juden bewohnt und besitzt mit der Ausros Vartai einen wichtigen Pilgerort für die Polen.

 

Kaunas wurde für die nächsten Jahre Hauptstadt Litauens, Vilnius wurde aber nie aufgegeben. Obwohl für die Litauer Vilnius immer die wichtigste Hauptstadt war, ist Kaunas die litauischere der beiden Städte. Während man in Vilnius auf der Straße ein Mix aus russisch, polnisch, "touristisch" und litauisch hört, überwiegt in Kaunas die litauische Sprache.

Vilnius war halt lange litauisch, polnisch und jüdisch beeinflusst, was für uns Touristen auch den Reiz dieser Stadt ausmacht. 

 

Die Stadt liegt 100 km westlich von Vilnius an der Autobahn A1 Vilnius- Klaipeda. Hier fließt die Memel (Nemunas) mit der Neris zusammen. Die Strecke Kaunas- an der Memel entlang Richtung Jurbarkas- zählt zu den eindrucksvollsten Landschaften Litauens. Hier können viele Burgen, Schlösser und Burgberge, die von früherer militärischer Stärke zeugen, besichtigt werden.

 

Am Zusammenfluss von Memel und Neris wurde die älteste litauische Burg gebaut, die zum ersten Mal 1362 in Aufzeichnungen des Kreuzritterordens erwähnt wurde. Die Kreuzritter lieferten sich andauernde Gefechte mit dem Großfürstentum Litauen und 1362 nahmen sie die Burg in Kaunas ein. Mehrfach zerstört und wieder aufgebaut, hatte sie stark unter den Fluten der Neris im 17. und 18. Jahrhundert zu leiden.

Wir parken in der Nähe der Burg und beginnen hier unseren Spaziergang durch Kaunas.

Kaunas

Die Burg von Kaunas

 

In den Sommermonaten ist im Turm der Burg das Touristeninformationsbüro (TIC) untergebracht und es finden kleinere Ausstellungen statt.

St. Georg Kirche

 

Hinter der Ritterburg kommt man zur Kirche des Heiligen Georgs. Innen wie außen sehr sehenswert, habe ich seit dem Besuch einer Kirche am Newski Prospekt keine Kirche in einem so schlechten Zustand gesehen. (In der Kirche am Newski Prospekt war ein Schwimmbad eingebaut).

Noch viel zu tun haben die Baumeister

 

 

Die alte Schönheit lässt sich erahnen

 

Die Kirche diente in ihrer langen Geschichte (gebaut 1504) mehrfach als Lagerhalle. Weiter gehts Richtung Rotuses aikste, dem Rathausplatz.

Hier steht das "Weiße Schwan" genannte ehemalige Kaunaser Rathaus, das heute als Keramikmuseum und Standesamt dient (1562 gebaut, 1655 zerstört und 1780 mit dem kirchenähnlichen Turm vollendet).

Es ist wahrscheinlich das meist fotographierte Objekt der Stadt.

Seit der Sowjetzeit werden hier Trauungen durchgeführt.

   Klick mich!

Bei unserem Besuch standen vor dem Standesamt gefühlt mehr amerikanische Luxuslimousinen, als in ganz Deutschland zugelassen sind. Bei der Hochzeit gilt wohl noch die Devise: Darfs ein bisschen mehr sein..?

 

Die Kirche der Heiligen Dreieinigkeit     Rechts ein Denkmal für Motiejus Valancius

 

Maironis Denkmal

Denkmal für den litauischen Nationaldichter Maironis

 

Brunnen Kaunas

Geschmack haben sie, die Litauer    Brunnen am Rathausplatz

 

Weiter gehts Richtung Vilnius Gatve

 

Beginn der Vilnius Gatve (Vilnius Straße)

 

Schon zu Beginn unseres Rundganges am Rotuses aikste gibt es Restaurants in großer Zahl. Auf der Vilnius gatve kommen noch Cafes und weitere Restaurants dazu. Die Vilnius gatve erinnert, wie der Name schon andeutet, an die Altstadt von Vilnius. Alte Häuser, enge Gassen und ein mittelalterliches Flair.

Ein totaler Kontrast ist die auf die Vilnius gatve folgende Laisves aleja (Freiheitsallee). Sie ist 1650 Meter lang, und war die erste Fußgängerzone der Sowjetunion. Viele Geschäfte laden zum Bummeln ein. Ist die Vilnius gatve noch schmal und verwinkelt, ist die Laisves aleja kerzengerade und führt direkt auf die frühere russische Garnisonskirche Erzengel Michael zu.

 

Interessant sind die Namen der Laisves Aleja, die Litauens Geschichte recht gut widerspiegeln:

1847: Nikolaj-Prospekt
1918: Kaiser-Wilhelm Strasse 
1919: Laisvės alėja
1946: Stalin-Prospekt
Seit 1961: Laisvės alėja, also Freiheitsallee

Laisves aleja     Im Hintergrund ist die Erzengel Michael Kirche zu sehen

 

Strassenmusikant

Junger Straßenmusikant mit interessantem Instrument, dahinter der "Müde Fußgänger"

 

 Fotoshooting

 

Erzengel Michael Kirche Kaunas

Von Samy Gronemann als plump und protzig bezeichnet: die Kirche zum Hl. Erzengel Michael

 

Am Ende der Laisves Aleja liegt die Kirche des Heiligen Erzengels Michael. Sie wurde 1895 als russisch orthodoxe Kirche für die hier stationierten Soldaten gebaut, was den ungewöhnlichen Stil der heute katholischen Kirche erklärt. Nach dem I. Weltkrieg wurde die Kirche von der litauischen Armee übernommen und katholisch. 

Im russisch-französischen Krieg von 1812 haben Napoleons Soldaten in der Kirche genächtigt.

Sammy Gronemann, ein jüdischer Schriftsteller, der 1916 als Dolmetscher (für Jiddisch) im vom Kaiserreich besetzten Kaunas diente, beschrieb die Michaelskirche folgendermaßen:

"Der plumpe, protzige griechische Dom freilich, der zwischen die ärmlichen Häuser gestellt ist, stört das idyllische Bild..."

 

Direkt neben der Michaels Kirche ist das Mykolas Zilinskas Museum für europäische Malerei, alte ägyptische Kunst und Porzellan.

David nackt Zilinskas Kaunas

Bemerkenswert ist der nackte David vor dem Mykolas Zilinskas Museum, der direkt auf die Garnisonskirche blickt.

 

Von der Michaelskirche gehen wir nach Norden über die Gedimini zur Putvinskio gatve. Hier gibt es nämlich eine 1931 gebaute Bergbahn (Standseilbahn, litauisch funikulierius), die den Zaliakalnas-Berg 142 Meter hinauffährt. Gebaut wurde sie 1931, persönlich überwacht von Litauens Präsidenten Antanas Smetona. Den Spaß, den kleinen Zaliakalnis Berg hochzufahren, sollte man mitmachen. Man bekommt auch einen Eindruck, wie wohlhabend die Bürger in Kaunas damals sein gewesen sein mussten, um sich so eine aufwendige Bahn (gebaut durch die Dresdener Firma Rudolph und AEG) leisten zu können.

unikulierius Standseilbahn Kaunas

Talstation der Standseilbahn

 

Standseilbahn Funikulierius Kaunas

Hölzerne Kabine      In der Mitte der Strecke kommt einem die zweite Kabine als Kontergewicht von der Bergstation entgegen.

 

Architektur Kaunas

Eingänge die an New York erinnern und auf vergangenen Wohlstand schließen lassen

 

Das Teufelsmuseum mit über 3000 Exponaten in der Putvinskio gatve 64

 

Philharmonie Kaunas

Die Philharmonie von Kaunas

 

Synagoge von Kaunas aus dem Jahre 1871 an der Ozeskienes gatve

 

Bis zum deutschen Einmarsch 1941 lebten in Kaunas etwa 30.000 Juden. Schon bevor die Deutschen Kaunas erreichten, kam es in Kaunas zu Ausschreitungen, wobei wohl die Massaker an der Lietukas Garage die brutalsten waren.

 

Kunst in Litauen

Einen Mantel für den harten Winter - Kunst in Kaunas

 

Sv. Mikalojaus Kloster an der Saukliu gatve

Nun sind wir wieder an der Burg angelangt.

 

 

Hier noch ein schönes Video über Kaunas !

 

Kaunas in (E)-Motion   Leider nicht von uns, sondern vom TIC Kaunas

 

In der Umgebung von Kaunas ist das Ethnografische Freilichtmuseum in Rumsiskes ein sehenswertes Ausflugsziel. Gelegen an der A1 (Kaunas Richtung Vilnius), werden auf 195 ha etwa 183 alte litauische Originalholzhäuser gezeigt. Ein schöner Spaziergang durch die litauische Vergangenheit.

Es gibt an manchen Tagen Vorführungen von alten Webtechniken und Schmuckherstellung aus Bernstein. Außerdem wird getöpfert und geschreinert. Die obligatorische Erinnerung an die sowjetische Besatzung mit Deportation und Waldbrüdern darf natürlich auch nicht fehlen.

Kontakt Ethnografisches Museum:

 L. Letkaviciaus gatve 2

56337 Rumsiskes 

Das Freilichtmuseum hat eine gute Website:   Freilichtmuseum Kaunas

 

Die Adresse des TIC Kaunas: TIC Kaunas

Kaunas Tourist Information Center TIC

Laisvės al. 36, LT-44240 Kaunas, Litauen
Tel. +370 37 323 436
Fax. +370 37 423 678
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Es werden von Mai bis September geführte Stadttouren angeboten.

Zum Bericht über das IX. Fort, einer Befestigungsanlage aus der Zarenzeit zur Verteidigung von Kaunas (in der 1941 die Kaunaser Juden ermordet wurden) geht es hier: IX.Fort

 

Lydia Rabinowitsch-Kempner (die Mutter von Robert M.W. Kempner) wurde 1871 in Kaunas geboren. Robert Kempner war deutscher Jurist und arbeitete bei den Nürnberger Prozessen als Stellvertreter des US-amerikanischen Chefanklägers Robert H. Jackson. Kempners Verhöre der Nazi Größen und ihrer Familien ist legendär.

Valdas Adamkus wurde 1926 in Kaunas geboren. Er war Litauischer Präsident. Vytautas Landsbergis, Dalia Grinkeviciute und Nina von Stauffenberg gehören ebenso zu den berühmten Töchtern und Söhnen der, wie man sieht, früher sehr internationalen Stadt.

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