Vytauto Didžiojo Karo Muziejus

Vytautas der Große — Militärmuseum in Kaunas

 

Unifoirm Kriuegnsmuseum Kaunas

Unser Reporter hat ohne Angst das Kriegsmuseum besucht

 

Und nicht nur Gutes gesehen. Infos über die LVA und die TDA (litauische Militäreinheiten unter der deutschen Besatzung) stehen am Ende des Textes.

 Vytautas-Magnus-Militärmuseum

Vytautas-Magnus-Militärmuseum

Loewen vor Kaunas Kriegsmuseum

Die Löwen vor dem Eingang des Kriegsmuseums stammen eigentlich vom Astravas Anwesen in Birzai

  Astravas Herrenhaus Birzai Klick mich

Diese beiden Löwen stammen eigentlich vom Astravas Anwesen der von Tiškevičius aus Biržai. Sie sind ein Geschenk von Jonas Tiškevičius aus dem jahre 1938. Sie wurden durch steinerne Löwen ersetzt (siehe kleines Bild).

 

Das Vytautas des Großen Militärmuseum, auch Kriegsmuseum genannt, ist eines der ältesten Museen in Litauen und hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Wechselhaft wegen der Besetzung durch die Nazis und der Sowjets.  Besonders die letzteren legten Wert auf eine andere Geschichtsbetrachtung. Das Museum ist zugegeben nicht unbedingt ein Highlight für den zivilen Kaunas Besucher, der ist wahrscheinlich besser auf der Vilnius Straße und der Laisves Ielas aufgehoben. 

Besucher, die sich für litauische Geschichte interessieren, könnten aber Gefallen am Kriegsmuseum finden. Ganz nebenbei sind das Teufelsmuseum, das Ciurlionis Kunstmuseum und der Funikulierius (der Schrägaufzug) nebenan.

Gegründet wurde das Kriegsmuseum am 16. Februar 1921. Den Namen Großfürst Vytautas Museum bekam es mit dem Neubau des heutigen Museum 1930. Da gab es in Litauen überall Feiern zum 500. Todestag Vytautas. Das vorherige Museum war aus Holz und stand an anderer Stelle.

 Vytautas Kaunas Museum

Haupthalle mit der Figur von Vytautas, dem Nationalheld und Größe der litauischen nationalen Wiedergeburt

Vytautas der Grosse Kaunas

Vytautas der Große

 Vytautas-Magnus-Militaermuseum Blick rechts

Haupthalle Blick nach rechts

Haupthalle links

Haupthalle links

Militaerauto Kaunas

Waffen und Autos

Litauische Herrscher und Schlachten

Herrscher und Schlachten

Litauische Herrscher 2

Vytautas Schwur und litauische Herrscher

Interessant zu diesem Bild mit dem brennenden Kaunas im Hintergrund, gemalt 1901:

"Die dargestellte Szene nach der Niederlage von 1362 ist ein Hinweis auf den zukünftigen Sieg 1410 und sollte so die litauischen Betrachter zu einem patriotischen Gefühl veranlassen."

 Emilia Broel-Plater Kaunas

Emilija Pliateryte — polnisch Emilia Broel-Plater

Emilija Pliateryte war eine polnisch/litauische Adlige aus dem Hause Broele. Sie wurde 1806 in Vilnius geboren (dort ging der in der Nähe geborene polnische Präsident Pilsudski zur Schule) und beteiligte sich am Novemberaufstand, dem sogenannten Polnisch-Russischem Krieg. Litauen/Polen war infolge der "Dritten Polnischen Teilung" 1795 von Russland übernommen worden und die Polen wollten ihre Unabhängigkeit wieder haben. Wahrscheinlich nicht unwesentlich wegen ihres guten Aussehens (meine Mutmassung), wurde sie zur Ikone des polnischen Unabhägigkeitskampfes stilisiert. Sie starb mit 25 Jahren an den Strapazen des Aufstandes.

Darius und Girėnas

Das Flugzeug Lituanica von den Atlantikfliegern Darius und Girėnas

Darus und Girenas

Lituanica 

Die beiden Piloten Steponas Darius und Stasys Girenas unternahmen am 15.7.1933 einen Atlantikflug von New York nach Kaunas. Sie flogen eine modifizierte Bellanca Pacemaker, stürzten aber nach 6.411 km und 37 Stunden über Ostbrandenburg (heute Polen) ab. Die Absturzursache ist umstritten. Von litauischer Seite wurde ein Abschuss durch das deutsche Militär nicht ausgeschlossen. Spuren von Munition wurden aber nie gefunden.

Waffen Kaunas

Waffen und Helme aus verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Armeen

Das Museum bietet einen sehr guten Überblick über die litauischen Herrscher und Gemälde der wichtigsten Schlachten, bei denen Litauer involviert waren. Der Namensgeber Vytautas wird mit einer überdimensionalen Figur im Hauptraum gehuldigt. Daneben gibt es ein altes Auto, Motorräder, etliche russische Waffen, Uniformen und Stahlhelme. Mit Loch und ohne. Leider wenig englische geschweige denn deutsche Übersetzungen.

 

Viel Platz wird den beiden Atlantikfliegern Darius und Girėnas mit ihren in Polen verunglückten Flugzeug Lituanica gewidmet. Die Litauer sind eben sehr stolz auf ihre Atlantikflieger. Die Lituanica ist mit allen erhaltenen Gegenständen der beiden Piloten hinter einer Glasscheibe zu sehen. Bei einer kürzlichen Reinigung der Pilotenwäsche (die war noch voll Blut) wurde ein eingenähter Dollarschein gefunden.

 

Der Holocaust und die Zusammenarbeit mit den Deutschen werden komplett ausgeblendet. Die Gewährung von Basen an die Sowjets im Jahre 1939 sowie die sowjetische Besatzung 1940 mit den folgenden Deportationen nach Sibirien fehlt. Dafür gibt es einen Raum der die litauischen Partisanen (auch Waldbrüder genannt) ehrt. Natürlich nicht die, die gegen die Nazis und auf Seiten der Sowjets gekämpft haben. Die werden nicht erwähnt.

 

Dafür gibt es Infos über die LAF (Litauische Aktivisten Front) und die TDA (Tautines Darbo Apsaugos), dem litauischen Arbeitsschschutz. Besonders die unkommentierte Darstellung dieser beiden Gruppen zeigt, dass sich ein differenziertes Geschichtsbild noch nicht überall in Litauen gebildet hat. LAF und TDA waren besonders hilfreich gegenüber den Deutschen die litauischen Juden zu massakrieren. Wahrscheinlich hat sich das auch bis in Militärkreise herumgesprochen und wird dennoch nicht beachtet. Dies sagt ja auch etwas aus. (Das Karo Muziejus untersteht seit 2006 dem Verteidigungsministerium). Andere litauische Museen haben mittlerweile ihre Ausstellungen, die nach der Unabhängigkeit sehr einseitig waren (Stichpunkt hier der doppelte Holocaust) entschärft. Bilder von Waldbrüdern, die offensichtlich am Judenmord teilgenommen haben, sind meist aus den Ausstellungen entfernt worden. Zu den Arbeitsschutz Bataillonen (TDA) mehr Infos weiter unten!

 

Veverski Kaunas

Pranas Veverskis

Pyplis Ramanauskas

Kazimieras Pyplys und Adolfas Ramanauskas

Ramanauskas wurde im Jahre 2018 geehrt. Da Ramanauskas im Jahre 1941 beim deutschen Angriff auf die Sowjetunion einen Trupp der LAF in Druskininkai anführte und auch dort (wie überall in Litauen) Juden ermordet worden sind, ist diese Ehrung sehr umstritten (es gibt aber keine Beweise für oder gegen Ramanauskas). 

Jonas Zemaitis Kaunas

Jonas Žemaitis-Vytautas

Jonas Žemaitis war Oberbefehlshaber der litauischen Widerstandsbewegung mit Unterbrechungen von 1949 bis 1953. Er wurde gefasst und starb 1954 in einem Gefängnis in Moskau.

TDA Holocaust in Litauen

Figuren der Zeit der deutschen Besatzung in Litauen, rechts ein Mitglied der berüchtigten Arbeitsschutzbataillone (TDA) links eine Uniform der Lietuvos vietinė rinktinė, LVR (Litauische Sonderverbände).

 

Die links im Bild noch etwas zu sehende Harley Davidson stammt von Antanas Juozas Ilgauskas, der am antisowjetischen Auftstand von 1941 beteiligt war und im Harley-Beiwagen Munition transportierte.

(Die Infos über die Harley und die Daten der Museumsgründung stammen vom Museum).

 

 

 

Über die Arbeitsbataillone (TDA) steht bei Wikipedia:

"Der Großteil der Organisation, der Vorbereitungen der Ermordung sowie der Erschießungen wurde von litauischen willigen Helfern ausgeführt. Nicht nur litauische Hilfspolizeibataillone (TDA) als „Direkt-Täter“, sondern auch lokale Helfer waren durch administrative Vorbereitung und personelle Unterstützung beteiligt."

 

Arunas Bubnys schreibt in "Holocaust in Litauen":

Bubnys beschreibt die litauischen Polizeibataillone, die hauptsächlich aus Teilnehmern am Aufstand gegen die sowjetischen Besatzer im Juni 1941 bestanden, Partisanen der LAF, Mitglieder des Nationalen Arbeitsschutz (TDA) und litauische Deserteure der russischen Armee. Die Bataillone wurden von den Deutschen beim Massenmord der Juden ebenso eingesetzt, wie z.B. bei der Bewachung des KZ Majdanek und der so genannten Partisanenjagd in Weißrussland (Judenvernichtung).

"Einiges spricht dafür, daß an vielen Stellen Litauens die Juden von der lokalen Polizei und "Partisanen" ohne Beteiligung des Rollkommandos [Rollkommando Hamann] umgebracht wurden".

Das I. Polizeibataillon ermordete mit den Deutschen in der zweiten Hälfte 1941 mehr als 39.000 Juden. Die Zahlen könnten wesentlich höher liegen.

Bubnys Fazit:

"Als Zwischenfazit bleibt festzuhalten, daß praktisch alle 1941 aufgestellten Polizeibataillone am Judenmord beteiligt waren, wobei der Grad ihrer Involvierung variierte".

 

Evaldas Balciunas schreibt in einem Artikel:

b) Einheiten der TDA (Tautinio darbo apsauga; Nationale Arbeitssicherheit), später bekannt als Schutzmannschaften, spielten eine Hauptrolle im Holocaust und nahmen an den Morden an Juden in Litauen und anderen Ländern (insbesondere: Ukraine und Weißrussland) teil;

 

Und Joachim Tauber schreibt in "Arbeit als Hoffnung: Jüdische Ghettos in Litauen 1941-1944":

"Auch das litauische Personal des berüchtigten Rollkommandos Hamann wurde vom TDA-Bataillon gestellt. Da der litauische Teil des Rollkommandos mach Bedarf zusammengestellt wurde, waren meist einige Dutzend TDA-Ange­hörige an den Morden beteiligt. Oft trat Hamann die Reise in die Provinz gar nicht mit an, sondern überließ den litauischen Offizieren des Bataillons den Be­fehl über die Mordaktionen.

 

Stasys Knezys (im Buch Kauno) vertritt, gestützt auf Vernehmungsprotokolle von TDA Angehörigen und Ermittlungen des KGB, die Meinung, dass bei sogenannten Großaktionen alle Kompanien des TDA-Bataillons zu Exekutionen herangezogen worden seien.

 

Und Rolf-Dieter Müller schreibt in "Die Wehrmacht: Mythos und Realität":

"Die wichtigste Einheit der bewaffneten litauischen Kollaboration war das TDA-Bataillon Kaunas, dem zuletzt mehr als 1.700 Kollaborateure in sieben Kompanien angehörten. Die Unterstützung der Massenmorde ebenso wie die Wachdienste vor sicherheitsrelevanten Objekten gehörten zum polizeilichen Aufgabenkatalog des Bataillons"


Und Ekaterina Makhotina "Litauen und der Zweite Weltkrieg" S. 214 schreibt:

"Kaunas war der Sitz Karl Jägers und des von ihm geleiteten Einsatzkommandos 3. Hier war auch die Keimzelle für die Ende 1942 bereits 300.000 Mann starke »Schutzmannschaft«, den Verband litauischer Hilfspolizisten. Diese Truppe, am 28. Juni 1941 in die reguläre Selbstschutztruppe "Tautinio darbo apsauga" (TDA) umformiert, wirkte maßgeblich an der Vernichtung der Zivilbevölkerung in Litauen und Weißrussland mit.    TDA - Tautinio darbo apsauga - Schutz der nationalen Arbeit - wurde von der LAF im Vorfeld der Vorbereitung des antisowjetischen Widerstands organisiert. Bereits in den Empfehlungen vom 24.3.1941 finden sich Hinweise auf die Formierung des TDA-Bataillons, dass, sobald der Krieg zwischen Deutschland und UdSSR beginne, weiße Armbinden zu tragen habe, um von den Kommunisten unterschieden werden zu können. Die Formierung des TDA-Bataillons begann am 28.6.1941 nach dem Aufruf des Stadtkommandanten von Kaunas, J. Bobelis. Es unterstand der Kontrolle der deutschen Einsatztruppen." 

 

W. Curilla meint in "Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrußland, 1941-1944"   S. 309:

"Mitunter ging der Impuls zu den Exekutionen des Rollkommandos von litauischer Seite aus. Bei den litauischen Hilfskräften handelte es sich um die 3. Kompanie des 1. (13.) Nationalen Arbeitsschutz-Bataillons (TDA-Bataillon). In aller Regel kehrte das Rollkommando, sowohl Deutsche wie Litauer, nach dem Einsatz betrunken zurück und prahlte mit der großen Zahl exekutierter Juden."


Und zuletzt noch einmal Joachim Tauber "Arbeit als Hoffnung" S.37:
Als typisch für die Janusköpfigkeit kann das Verhalten des Stadtkommandanten von Kaunas Bobelis gelten. Er war an der Gründung des TDA-Bataillons beteiligt, und ihm war von der provisorischen Regierung, wie soeben erwähnt, die Aufgabe übertragen worden, für die Juden ein Konzentrationslager aufzubauen. Als Stadtkommandant konnten ihm die Mordtaten, für die das TDA- Bataillon herangezogen wurde, nicht verborgen bleiben. Andererseits berichtet Sara Ginaite in ihren Erinnerungen, Bobelis habe persönlich dafür gesorgt, dass ihr Schwager aus dem VII. Fort freigekommen sei.

 

Wir befinden uns  2018 im 28. Jahr der litauischen Unabhängigkeit sind. Ok, wir Deutschen sollten vielleicht keine Vorwürfe machen, wenn man unsere eigenen rechten Tendenzen sieht.

 

Anmerkungen, Ergänzungen, Verbesserungen willkommen!

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