Der Stahlecker Report

 

 Franz Walther Stahlecker Foto: Wikipedia     

 

Der Stahlecker Report: Wie der Jäger Report ist auch der Stahlecker Bericht ein Zeugnis des deutschen Vernichtungskrieges im Osten. Stahlecker berichtet über die Tätigkeit seiner Einsatzgruppe A aus dem Baltikum an seine Vorgesetzten in Berlin. Deshalb berichten wir über ihn in der Rubrik Litauische Geschichte.

Franz Walther Stahlecker war beim Einmarsch der Wehrmacht in Litauen am 22.Juni 1941 als SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei der Leiter der Einsatzgruppe A.

Die Einsatztruppen waren für die Endlösung in den zu besetzenden Gebieten im Osten bestimmt und Stahleckers 1.000 Mann Truppe war die eifrigste dieser Gruppen.

1941 hatte Reinhard Heydrich, Leiter des RSHA, eine Truppe von 3.000 willigen Männern zusammen, aus denen die Einsatzgruppen für die Endlösung, oder schöner gesagt, die Partisanen und Bandenbekämpfung in den Ostgebieten, gebildet wurde.

Die Einsatzgruppen bestanden aus vier Abteilungen.

Einsatzgruppe A unter Franz Walter Stahlecker war für die Baltischen Staaten bis Leningrad zuständig.

Einsatzgruppe B unter Arthur Nebe, dem späteren Angehörigen des "Widerstands" (Hans Bernd Gisevius: "Wo ist Nebe") wurde zwischen dem Baltikum und der Ukraine eingesetzt.

Einsatzgruppe C unter Generalmajor der Polizei Otto Rasch folgte der Heeresgruppe Süd und wütete u.a. in Babyn Jar. Er meldete bis Oktober 1941 80.000 Ermordete.

Einsatzgruppe D unter Otto Ohlendorf, Generalleutnant der Polizei, wurde in der Südukraine und der Krim eingesetzt und meldete als Erfolg 90.000 Tote.

 

Die Einsatzgruppenführer unterstanden Heydrich als Chef des RSHA. Heydrich unterstand Heinrich Himmler, als Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei.

 

Mit welchem Auftrag die Einsatzgruppen, die teils zusammen mit der Wehrmacht die grösseren Städte im Osten besetzten, eingesetzt wurden, mag diese Rede Heinrich Himmlers vom 13. Juli 1941 in Stettin vor 25 Führern der Waffen-SS illustrieren:

"Man stünde, so führte er hier aus, in einem Kampf gegen ein »180-Millionen Volk, ein Gemisch aus Rassen, und Völkern, deren Namen schon unaussprechlich sind, und deren Gestalt so ist, dass man sie bloß ohne Gnade und Barmherzigkeit zusammenschießen kann«, »Tiere« eben. »Dieses Volk ist von Juden in einer Religion, in einer Weltanschauung zusammengefasst, die Bolschewismus genannt wird [... ] .«

Peter Longerich "Heinrich Himmler" S. 545

 

Die Einsatzgruppe A unter Stahlecker tötete bis zum Winter 1941 249.420 Juden. Die Morde der Einsatzgruppen waren der Beginn des Holocaust. Anfangs wurden in Litauen Männer ("Bolschewisten") ermordet. Aber schon kurze Zeit später folgten Frauen und dann Kinder.

Berühmt und berüchtigt ist der sogenannte Stahlecker Report, in dem Stahlecker seinem Vorgesetzten Heydrich die Fortschritte in den besetzten Gebieten beschreibt. Die Dokumente sind den vorrückenden Sowjets in die Arme gefallen, liegen in einem russischenArchiv und wurden von verschiedenen Quellen (siehe Blatt 4, Verzeichnis der Benutzer) wie der Bild Zeitung und dem USHM (US- Holocaust Museum) benutzt. Sie sind deshalb besonders, weil sie ein Licht auf die Hintergründe des Deutschen Rassenwahns in den besetzten Ostgebieten werfen.

 

Es gibt den Stahlecker Report einmal auf der Seite von DefendingHistory als Bilddatei und bei Yad Vashem auch als Bilddatei, wobei man aber händisch immer die Bildernummer eingeben muss. Ich habe die Bilder von DefendingHistory des ersten Stahlecker Reports (der die Zeit vom 22.Juni 1941 bis 15. Oktober 1941 beinhaltet) als PDF umgewandelt. So kann man die Datei schneller laden und einfacher lesen. Die Originalquellen sind unten angegeben. 

 

Neben dem hier behandelten Stahlecker Report, bietet der sogenannte Jäger Report einen schaurigen Blick auf die Arbeit der Deutschen Kommandos hinter der Front. SS-Standartenführer Karl Jäger war unter Franz Walther Stahlecker Leiter des Sonderkommandos 3 und rühmte sich im ebenfalls berühmten "Jäger Report" :

"Auf meine Anordnung und meinen Befehl durch die lit. Partisanen durchgeführten Exekutionen...137.346 !"

 

Hier ein paar Zitate aus dem ersten Stahlecker Report:

S.2 " ..., dass die Zusammenarbeit mit der Wehrmacht im allgemeinen gut, in Einzelfällen, wie z.B. mit der Panzergruppe 4 unter Generaloberst Höppner, sehr eng, ja fast herzlich war."

Das sollte man sich öfters durchlesen, angesichts der dauernden deutschen Parolen, dass die Wehrmacht ja eigentlich die Netten waren.

S.4 "Zur Durchführung der sicherheitspolizeilichen Aufgaben musste auch angestrebt werden, in grösseren Städten zusammen mit der Truppe einzuziehen. Die ersten Erfahrungen in dieser Richtung wurden gesammelt, als ein kleines Vorauskommando unter meiner Führung mit den Spitzenverbänden der Wehrmacht am 25.6.1941 in Kowno eintraf."

Was auch die Pogrome gegen Juden in Kaunas erklärt, bei denen 10.000 Juden von Litauern ermordet wurden. Siehe Lietukis Massaker

S5.: "...Zu diesem Zweck wurden in den drei baltischen Provinzen von der Sicherheitspolizei jeweils schon in den ersten Stunden des Einmarsches Freiwilligenformationen aus zuverlässigen Landeseinwohnern aufgestellt, die unter unserer Führung diese Aufgabe (die Städte u.A. vor kommunistischen Funktionären sichern) mit Erfolg durchgeführt hat."

Diese Freiwilligen waren in Litauen die Mitglieder der LAF, die schon vor dem deutschen Angriff in Hitlers Pläne eingeweiht waren. Auch Partisanen genannt.

 S5.: "Ebenso wurden schon in den ersten Stunden nach dem Einmarsch, wenn auch unter erheblichen Schwierigkeiten, einheimische antikommunistische Kräfte zu Progromen (sic) gegen die Juden veranlasst. Befehlsgemäss war die Sicherheitspolizei entschlossen, die Judenfrage mit allen Mitteln und aller Entschiedenheit zu lösen."

"Es musste nach aussen gezeigt werden, dass die einheimische Bevölkerung selbst als natürliche Reaktion gegen jahrzehntelange Unterdrückung durch die Juden und gegen den Terror durch die Kommunisten in der vorangegangenen Zeit die ersten Massnahmen von sich aus getroffen hat."

 S14.:  "Angesichts der Ausdehnung des Einsatzraumes und der Fülle der sicherheitspolizeilichen Aufgaben wurde von vornherein angestrebt, dass die zuverlässige Bevölkerung selbst bei der Bekämpfung der Schädlinge in ihrem Lande - also insbesondere der Juden und Kommunisten - mitwirkt."

"In Litauen haben sich bei Beginn des Ostfeldzuges aktivistische nationale Kräfte zu sogenannten Partisaneneinheiten zusammengefunden, um in den Kampf gegen den Bolschewismus aktiv einzugreifen."

S.15: "Während ein militärischer Einsatz der Partisanen aus politischen Gründen nicht in Betracht kam, wurde in kurzer Zeit aus den zuverlässigen Elementen der undisziplinierten Partisanengruppen ein einsatzfähiger Hilfstrupp in Stärke von zunächst 300 Mann gebildet, dessen Führung dem litauischen Journalisten Klimaitis übertragen wurde. Diese Gruppe ist im weiteren Verlauf der Befriedungsarbeiten nicht nur in Kauen selbst, sondern in zahlreichen Orten Litauens eingesetzt worden und hat die ihr zugewiesenen Aufgaben, insbesondere Vorbereitung und Mitwirkung bei der Durchführung grösserer Liquidierungsaktionen unter ständiger Aufsicht des EK ohne wesentliche Anstände gelöst."

" Bei der Personalergänzung innerhalb der litauischen Hilfspolizeien wird hauptsächlich auf die Partisanengruppen zurückgegriffen. Solange noch Exekutionen und Befriedungsaktionen grösseren Umfangs durchgeführt werden müssen, bleibt neben der lituischen Sicherheits- und Kriminalpolizei der obengenannte Partisanentrupp bestehen und wird voraussichtlich später in einem anderen Teil des Einsatzraumes ausserhalb Litauens eingesetzt."

 

S. 21: "Auslösung von Selbstreinigungsaktionen,

Auf Grund der Erwägung, dass die Bevölkerung der baltischen Länder während der Zeit ihrer Eingliederung in die UdSSR unter der Herrschaft des Bolschewismus und des Judentums aufs Schwerste gelitten hatte, war anzunehmen, dass sie nach der Befreiung von dieser Fremdherrschaft die nach dem Rückzug der Roten Armee im Lande verbliebenen Gegner in weitgehendem Masse selbst unschädlich machen würde. Aufgabe der Sicherheitspolizei musste es sein-, die Selbstreinigungsbestrebungen in Gang zu setzen und in die richtigen Bahnen zu lenken, um das gesteckte Säuberungsziel so schnell wie möglich zu erreichen. Nicht minder wesentlich war es, für die spätere Zeit die feststehende und beweisbare Tatsache zu schaffen, dass die befreite Bevölkerung aus sich selbst heraus zu den härtesten Massnahmen gegen den bolschewistischen und jüdischen Gegner gegriffen hat, ohne dass eine Anweisung deutscher Stellen erkennbar ist.

In Litauen gelang dies zum ersten Mal in Kauen durch den Einsatz der Partisanen.

Es war überraschenderweise zunächst nicht einfach, dort ein Judenprogrom grösseren Ausmasses in Gang zu setzen. Dem Führer der oben bereits erwähnten Partisanengruppe, Klimaitis, der hierbei in erster Linie herangezogen wurde, gelang es, auf Grund der ihm von dem in Kauen eingesetzten kleinen Vorkommando gegebenen Hinweise ein Progrom einzuleiten, ohne dass nach aussen irgendein deutscher Auftrag oder eine deutsche Anregung erkennbar wurde. Im Verlauf des ersten Progroms in der Nacht vom 25. zum 26.6. wurden über 1.500 Juden von den litauischen Partisanen beseitigt..."

S. 22: "Durch Unterrichtung der Wehrmachtsstellen, bei denen für dieses Vergehen durchweg Verständnis vorhanden war, liefen die Selbstreinigungsaktionen reibungslos ab."

Interessant im Zusammenhang zu den Lietukis Massakern:

S. 23: "Soweit möglich, wurde sowohl in Kauen als auch in Riga durch Film und Photo festgehalten, dass die ersten spontanen Exekutionen der Juden und Kommunisten von Litauern und Letten durchgeführt wurden."

S. 24: Mit der Sowjetarmee waren die Sowjetbeamten und die Sowjetfunktionäre der K.P. geflohen. Die Bevölkerung der baltischen Länder hat auf Grund der Erfahrungen der mehr als einjährigen bolschewistischen Zwangsherrschaft die Notwendigkeit erkannt, dass auch die nach dem Rückzug der Roten Armee übriggebliebenen Reste des Kommunismus beseitigt werden müssen. Diese Grundeinstellung erleichterte die sicherheitspolizeiliche Säuberungsarbeit auf diesem Gebiet wesentlich, zumal aktive nationalistische Kreise, also in Litauen die Partisanen, in Lettland und Estland die Selbstschutzkräfte, bei dieser Säuberung mitzuwirken."

S. 27: Nach Durchführung dieser vordringlichsten Aufgaben in den Städten wurde durch kleine Teilkommandos auch die Säuberung auf dem Lande in Angriff genommen. Hierbei leisteten wiederum die Selbstschutzkräfte wertvolle Mitarbeit."

 S. 32: "Es war von vornherein zu erwarten, dass allein durch Progrome das Judenproblem im Ostlande nicht gelöst werden würde. Andererseits hatte die sicherheitspolizeiliche Säuberungsarbeit gemäss den grundsätzlichen Befehlen eine möglichst umfassende Beseitigung der Juden zum Ziel. Es wurden daher durch Sonderkommandos, denen ausgesuchte Kräfte - in Litauen Partisanentrupps, in Lettland Trupps der lettischen Hilfspolizei - beigegeben wurden, umfangreiche Exekutionen in den Städten und auf dem flachen Lande durchgeführt. Der Einsatz der Exekutionskommandos war reibungslos. Bei der Zuteilung von litauischen und lettischen Kräften zu den Exekutionskommandos wurden insbesondere solche Männer ausgewählt, deren Familienmitglieder und Angehörige von den Russen ermordet oder verschleppt worden waren.  

Zu besonders scharfen und umfassenden Massnahmen musste in Litauen gegriffen werden. Die Juden hatten sich stellenweise - insbesondere in Kauen — bewaffnet, beteiligten sich aktiv am Heckenschützenkrieg und legten Brände an. Im übrigen haben die Juden in Litauen in besonders aktiver Weise mit den Sowjets Hand in Hand gearbeitet.

Die Gesamtzahl der in Litauen liquidierten Juden beläuft sich auf 71.1o5."

Exekutionen von Juden durch Einsatzgruppe A Exekutionen von Juden durch die Einsatzgruppe A

Diese Karte stammt aus dem Stahlecker Report

 

Kurz zur Erklärung: Vilnius gehörte vor der Besetzung durch die Sowjetunion zu Polen. So kommen die Zahlen zustande: in Litauen (ohne Vilnius) lebten ca. 152.000 Juden, im Kreis Vilnius 80.000 (Jerusalem des Ostens). Dazu kommen die Ermordeten in Weissrussland und Lettland.

 

S. 32: "Erwähnt sei in diesem Zusammenhang noch der stellenweise erhebliche Widerstand der Dienststellen und Zivilverwaltung gegen die Durchführung von Exekutionen grösseren Umfanges, denen überall mit dem Hinweisdarauf, dass es sich um die Durchführung grundsätzlicher Befehle handelte, entgegengetreten wurde."

S. 37: Verschiedene Irrenanstalten wurden von den Einsatzgruppen "gesäubert", das heisst von den Patienten befreit. Dazu ist interessant:

"In einigen Fällen baten Wehrmachtsdienststellen, auch andere Anstalten, die für Quartierszwecke benötigt wurden, in der gleichen Weise zu säubern. ..., wurde den Wehrmachtsstellen anheimgestellt, mit eigenen Kräften die für notwendig erachteten Massnahmen zu treffen."

Für das Rainiai Massaker ist vielleicht interessant:

"Die Einsatzkommandos veranlassten in grossem Umfange die Nachforschung nach Verschleppten, ferner die Exhumierung und Identifizierung von den Bolschewisten ermordeter Personen. Aus propagandistischen Gründen wurden hierbei die Propagandastaffeln der Wehrmacht und stellenweise auch die ausländische Presse beteiligt."

S. 50: "Die Kunst war ebenso wie das übrige kulturelle Leben vorherrschend jüdisch eingestellt, insbesondere in Lettland und Litauen."

S. 63. " Da der Bevölkerung in keiner Weise Aufklärung über ihr zukünftiges Schicksal erteilt worden ist, bewegt sich der national denkende Teil durchaus noch in der Vorstellung einer kommenden litauischen Eigenstaatlichkeit mit einer gewissen Abhängigkeit vom Grossdeutschen Reich."

S.64: " Der seit der Besetzung Litauens durch deutsche Truppen schnell aufgeflammte tätige Antisemitismus hat nicht nachgelassen. Zu allen Massnahmen gegen Juden stellen sich Litauer gern und unermüdlich zur Verfügung, z.Tl. führen sie heute noch eigenmächtig solche Massnahmen durch."

S. 66: " Ueber 80 % der Zahnärzte waren Juden., über 50 % der anderen Aerzte ebenfalls."

 

 Stahlecker Report als PDF

 

Die Originalfotos des Stahlecker Reports stammen von der Seite DefendingHistory:
http://defendinghistory.com/the-two-full-stahlecker-reports-holocaust-atrocities-in-the-baltic/70670

Die Scans gibt es auch von Yad Vashem. Allerdings muss man wohl immer die Nummer der Datei ändern um ein anderes Dokument zu bekommen:
http://207.232.26.150/documentation1/2/3685477_03052442/00002.JPG                  

Wer einen anderen Weg findet, bitte melden.

Auf der Webseite des USHMM gibt es nur wenige Fotos vom Report.

 

 

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