Die litauische Sprache

 

Die litauische Sprache war wirklich schön und wert, gesprochen zu werden. Und er kannte nun seine Lebensaufgabe: Sich stolz zu seiner Herkunft zu bekennen und das Litauentum zu Ehren zu bringen.

Vydunas 700 Jahre deutsch-litauischer Beziehungen

 

Dewas dawe dantes, Dewas dos ir dones!     Hat Gott Zähne gegeben, so wird er auch Brot geben!


Die litauische Sprache gehört zum baltischen Zweig der indogermanischen Sprachen. Sie wird mit den Sprachen der Letten, Kuren, Semgaller, Selen und der alten Preussen [Prussen] zu einer besonderen Gruppe zusammengefasst. Allerdings sind hier Unterschiede zu bemerken. Die lettische Sprache steht zur litauischen im Verhältnis einer jüngeren Schwestersprache, ist durch die nahe Berührung mit dem Deutschen stärker durchsetzt mit fremden Elementen und hat viele Altertümlichkeiten, die das Litauische treulich wahrte, verloren.

Das im grammatischen Bau noch altertümlichere Altpreussische hingegen schien zunächst, soweit man aus den wenigen erhaltenen Resten schliessen konnte, dem Litauischen erheblich näher zu stehen.

 

                    litauisch     lettisch    preussisch
Gott              dievas       dievs       deivs  
Hand            rankas        ruoka      ranko
Kopf             galva         galva       galvo
Eisen            gel(e)zis     dzelzs     gelso
Stahl            plienas       pliens      plainas

 

Ein Vergleich der prussischen Sprache mit der litauischen ist schwierig, weil kaum Aufzeichnungen in prussischer Sprache existieren.

Immerhin dürfen über solchen Ähnlichkeiten auch die grundlegenden Verschiedenheiten zwischen diesen Sprachen nicht vergessen werden, wie sie uns etwa im Wort: Brot- lit. duona, lett. maize und preuss. geitis- entgegentreten.


Sehr häufig findet man daneben den Fall, dass sich das Altpreussische schon in seinem Wortschatz deutlich vom Litauischen und Lettischen abhebt:

Butter          sviestas    sviests    anktan
Milch           pienas       piens      dadan 

Die moderne Sprachwissenschaft nimmt daher an, dass sich die baltische Ursprache etwa zwischen dem 5. und 3. vorchristlichen Jahrhundert in zwei Äste spaltete-einem westlichen (preussischen) und einen östlichen, dem die Sprachen der Litauer, Letten, Kuren, Semgallen und Selen zuzurechnen wären. Aus dem östlichen Zweige gingen später-vermutlich im elften, zwölften Jahrhundert-die Sprachen der einzelnen Völker hervor.

Die litauische Sprache hat die Eigenart an Substantive ein -as, -is, -us, -a oder -e anzuhängen. So wird ein Bill Clinton zum "Bilas Klintonas" und Brad Pitt zum "Bradas Pittas". Schon ziemlich komisch, aber aus grammatikalischen Gründen scheinbar für die Verständlichkeit unverzichtbar.

Keine slawische Sprache: Es werden lateinische Buchstaben benutzt. Diese wurden mit Sonderzeichen an die litauische Aussprache angepasst.

  • Ą (ą) : Immer ein langes [A] wie in [nach]. Ein [a] ohne Komma wird mal lang und mal kurz gelesen.
  • Ę (ę) Ein langes, offenes [E], also fast schon wie das [ä] in [Ähre]. Ohne Komma wird es mal lang und mal kurz gelesen.
  • C (c) Immer wie das deutsche [Z].
  • Č (č) : Wie das [tsch] in [Matsch].
  • ch Immer kehlig, wie das [ch] in [Bach].
  • Ė (ė) Ein langes, geschlossenes [E], in etwa wie das [ee] in [Meer].
  • Į (į) Langes [i] wie in [Mine]. Das [i] ohne Komma wird immer kurz gelesen (wie in Minze).
  • Y (y) Auch ein langes [i], also genau wie [ Į ].
  • O (o) Wird zumeist lang und offen wie in [Ohr] gesprochen. Ausnahme: Fremdwörter, in denen es kurz gesprochen wird.
  • Š (š) Wie das [sch] in [Masche].
  • Ų (ų) Immer ein langes [U] wie in [Mut]. Das [u] ohne Komma wird dementsprechend immer kurz gesprochen.
  • Ū (ū) Praktisch identisch mit dem [ ų ].
  • V (v) Entspricht dem deutschen [w].
  • Z (z) Stimmhaft, wie das englische [z].
  • Ž (ž) Wie ein [dsch], also wie das [g] in [Gin].

 

Nähe zu Sanskrit:

Ähnlichkeiten zwischen Sanskrit und Litauisch

 

Auch in der kroatischen Sprache gibt es einige Worte, die der litauischen Sprache erstaunlich ähneln.

 


Ebenso eine Besonderheit der litauischen Sprache ist die Vielfalt an Diminutiven (Verkleinerungsformen). W.Kalwaitis zählt im "Litauischen Namensschatz" (Tilsit 1910) nicht weniger als 66 Verkleinerungsformen für das Wort "mama"-Mutter auf, darunter sogar ein fünffaches Diminitivum mamaitužužužėlė. Durch die Diminuierung heisst es im Litauischen "varliukštis" (varlis=Frosch), wogegen es im Deutschen einige Wörter mehr braucht (um das Gleiche auszudrücken) nämlich "kleiner armseliger Frosch".

Über die litauische Sprache zur Zeit der Staatsgründung durch Mindaugas ist wenig bekannt. Als Schriftsprache diente das sogenannte Kanzleislawische, eine ostslawische Sprache.

Im 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war litauisch die Sprache des Landvolks. In den Städten und im Bildungsbürgertum wurde Polnisch gesprochen (litauisch- polnische Personalunion).

Als Litauen durch die Dritte Polnische Teilung (1795) unter russische Herrschaft geriet, wurde Russisch die dominierende Sprache und litauische Bücher wegen der Aufstände gegen den Zaren zeitweilig verboten.

Heute verstehen viele Litauer neben ihrer Landessprache noch Russisch, die Gebildeten (und jungen Leute) Englisch und manchmal Deutsch.

Ein weit verbreitetes Vorurteil ist, dass die litauische Sprache eine slawische Sprache ist. Slawische Sprachen sind z.B. Russisch, Tschechisch und Polnisch. Litauer ohne Russischkenntnisse können sich aber nicht mit diesen Landsleuten verständigen.

 

Lettisch und Litauisch

Für mich hört sich Lettisch im Vergleich zur litauischen Sprache an wie das Holländische zum Deutschen. Meine Frau protestiert aber bei diesem Vergleich und sieht das ganz anders.

Die Letten sagen zum Beispiel "Lab dien (Guten Tag) und die Litauer "Laba diena". Kein grosser Unterschied. 


Litauische Akzente


Im litauischen selber gibt es wieder verschiedene Mundarten, wobei das Hochlitauische (Aukstaitija) und das Niederlitauische (Zemaitija) die wichtigsten sind. Niederlitauisch verhält sich zum Hochlitauischen etwa wie Plattdeutsch zum Hochdeutsch. Aber selbst im Hochlitauischen gibt es natürlich verschiedene Akzente. So kann man z.B. einen Birzaier anhand seiner Sprache seinem Heimatort zuordnen.
Der überraschende Reichtum an litauischen Mundarten auf einem kleinen Territorium wird auf die Abgeschlossenheit der einzelnen Gebiete zurückgeführt.
"Diese war eine Folge jahrhunderterlanger Zurückgebliebenheit und konservativer Beharrung auf ererbter Scholle". (Dr. V. Jungfer).

Quelle: Wikipedia und Dr. Victor Jungfer "Litauen-Antlitz eines Volkes" Nürnberg 1948

 

Von der George Mason Universität aus Virginia gibt es eine Sprachdatenbank, in der Menschen auf der ganzen Welt einen englischen Satz sprechen. Der Satz wird durch den natürlichen Akzent der verschiedenen Sprecher, von Afrikaans bis Zulu verändert. Die litauischen Sprachbeispiele findet man bei Litauen Akzent!

litauen akzent

 Die Datenbank benötigt Apple Quicktime und manchmal fragt der Browser um Erlaubnis

 

Für sehr gründliche Litauen Besucher gibt es sogar die Möglichkeit die litauische Sprache vorab in einer Sprachschule zu erlernen.

Da selten VHS Kurse angeboten werden, ist das Angebot des Rendsburger Nordkollegs umso wichtiger. 

Neben Kursen mit nordeuropäischen Schwerpunkt (Dänisch, Färöisch, Finnisch, Isländisch, Norwegisch und Schwedisch), bietet das Nordkolleg auch die Sprachen des Ostseeraums, also Estnisch, Lettisch, Litauisch, Polnisch und Russisch an. Interessierte haben die Möglichkeit, in den Intensivkursen auch diese Sprachen auf allen Niveaustufen zu lernen und zu vertiefen. 

Die Kurse umfassen 16 bis 40 Unterrichtseinheiten über einen Zeitraum von drei bis fünf Tagen (Montag bis Freitag). Der Autor hat die Kurse nicht selber ausprobiert. Eigene Erfahrungen sind erwünscht. Diese Webseite hat natürlich keinen finanziellen Vorteil durch das Nordkolleg! Die Kurse finden ab einer Teilnehmerzahl von mindestens 4 Personen statt.

Nordkolleg Rendsburg

 

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